Vesicaria
von John Henry Clarke — Der Neue Clarke – Eine Enzyklopädie für den homöopathischen Praktiker
communis. N. O. Cruciferæ (Tribus, Alyssineæ). Tinktur der ganzen frischen Pflanze.
Klinisches
Albuminurie / Zystitis / Wassersucht / chronischer Harnröhrenausfluss / Gonorrhö / Harngries / Hämaturie / Nephralgie / Prostatitis
Charakteristik
Vesicaria ist eine „Gattung der Cruciferæ, heimisch auf der Nordhalbkugel, ausgezeichnet durch die kugelige oder eiförmige aufgeblasene Schote, mit halbkugeligen Klappen und zahlreichen Samen (gewöhnlich vier bis sechs) in jeder Zelle. Es sind Kräuter, manchmal an der Basis strauchig, mit länglichen oder linearen, ganzrandigen oder ausgeschweiften Blättern und endständigen Trauben gelber Blüten“ (Treas. of Bot.). George R. Shafer (Chic. Med. Times, zitiert in H. News, xxx. 117) sagt, Ves. com. sei ein altes Mittel, das in manchen Teilen Deutschlands bei allen Formen von Harn- und Nierenbeschwerden viel gebraucht werde; bei Harngries; bei Gonorrhö, sowohl beim Mann als auch bei der Frau. Shafers Indikation für das Mittel ist „ein wund-beißendes, brennendes Gefühl entlang des Verlaufs von Harnröhre und Harnblase, mit häufigem Drang, Harn zu lassen, oft begleitet von Strangurie.“ Die Zustände, die er als besonders gut auf Vesic. ansprechend gefunden hat, sind: Nephralgie; akute Zystitis; reizbare Blase nach akuter Zystitis: chronische Zystitis. Er erwähnt diese Fälle: (1) T. S., 67, litt an Nephralgie, wofür er bei früheren Anfällen Morphia-Injektionen erhalten hatte. Vesic. Ø, in Dosen von 15 Tropfen alle fünfzehn Minuten, brachte in zwei Stunden ausgeprägte Linderung, die nach sechs Stunden vollständig war. (2) S. B., 57, Zystitis durch Erkältung; hohes Fieber, Schwitzen, brennender Schmerz beim Harnlassen, wobei der Harn tropfenweise abging. Vesic. Ø, in Dosen von 10 Tropfen, heilte in zwei Tagen. (3) Dame, 39, Schmerz im Rücken, ziegelstaubartiges Sediment im Harn; Hände und Füße schwollen so an, dass sie die Hände kaum schließen oder gehen konnte. Vesic. Ø heilte. (4) Mann, 65, reizbare Blase, musste nachts zwanzig- bis dreißigmal aufstehen. Vesic. Ø, in Dosen von 20 Tropfen, linderte rasch und heilte in sechs Wochen. (5) C. M., 89, chronische Zystitis, entleerte große Mengen von Schleim-Eiter. Die Blase wurde zunächst mit Borsäurelösung ausgespült, dann wurden Vesic. Ø, 20 Tropfen alle zwei Stunden, gegeben. Besserung folgte, und nach zwei Stunden wurde die Borsäure-Spülung eingestellt und Vesic. alle vier Stunden gegeben. Dies heilte schließlich. (6) Gonorrhö mit wund-beißendem Gefühl und Brennen bei der Miktion und dickem, rahmigem Ausfluss. Vesic. Ø, eine Drachme alle vier Stunden, heilte bald. (7) Gonorrhö, weiblich, nachdem sie zwei Wochen lang mit Injektionen behandelt worden war, wurde in sieben Tagen mit Vesic. Ø in Drachmendosen geheilt. Cowperthwaite (H. M., Juli 1900, 477) ist es gelungen, Albumin selbst in Fällen wirklicher Bright-Krankheit aus dem Harn zum Verschwinden zu bringen. Er fügt hinzu, dass „es notwendig ist, ausschließlich die importierte [d. h., europäische] Tinktur zu verwenden, 15 Tropfen alle vier Stunden.“ (Es gibt mehrere in Nordamerika heimische Vesicaria-Arten.) A. L. Davison (H. News, Dez. 1892, 568) behandelte Mrs. P. wegen allgemeiner Wassersucht von einjährigem Bestehen; sie befand sich bei der ersten Untersuchung in urämischen Krämpfen, da die Nieren aufgehört hatten, Harn abzusondern. Vesic. Ø wurde verordnet, 15 Tropfen in einem Teelöffel Wasser stündlich, bis Harn frei abgesondert wurde, dann dreimal täglich. Am zweiten Tag schütteten die Nieren Harn aus, und wässrige Stühle wurden abgesetzt. Innerhalb einer Woche war die ganze Wassersucht verschwunden. Bancroft (ibid., 557) behandelte Mrs. T. wegen reizbarer Nieren und reizbarer Blase mit Polyurie. Nach einiger Zeit wurde der Harn blutig, mit gelegentlichen dünnen Gerinnseln; zuvor hatte über einige Monate ein dickes, gelbes Sediment bestanden. Vesic. Ø, 6 Tropfen viermal täglich und später 15 Tropfen dreimal täglich, beharrlich eingenommen, bewirkte eine Heilung. Halbert (Clinique, xx. 107) berichtet den Fall von Mr. H., einem jungen Mann, dessen Beruf viel Bewegung im Freien mit sich brachte und der sich eine Verkühlung zuzog und infolgedessen Lumbago bekam. Bei einem „orificial“ Chirurgen wurde an seinem Rektum operiert und der Sphinkter gedehnt. Danach hatte er Fieber, Schüttelfröste und akute Prostatitis. Die Miktion war schmerzhaft und schwierig, und bald stellte sich Hämaturie ein. Der Schmerz und die nervöse Erschöpfung waren so äußersten Grades, dass er ins Krankenhaus aufgenommen wurde, und eine Zeitlang wurde er nur durch Injektionen von Morphia erleichtert. Der Harn enthielt Albumin, Blutgerinnsel, viel Eiter. Harn wurde nur mittels Katheter gelassen, und die Defäkation war äußerst schmerzhaft. Vesic. 1x wurde stündlich gegeben, und große Erleichterung folgte. Der schmerzhafte Tenesmus wurde gelindert, und er war bald imstande, Harn ohne Katheter zu lassen. Nach drei Wochen konnte er nach Hause gehen.
Beziehungen
Verträglich: Cact., Thlasp. b. p. Vergleiche: Botan., Thlasp. b. p. Bei Harngries, Coc. c., Urt. ur., Thlasp. b. p. Hämaturie, Chi. s., Fic. r. Phos. Prostata-Leiden, Hydrang., Solid., Sabal. Zystitis, Chimaph. u. [Shafer gab Cact. und Thlasp. b. p. in einem Fall von Wassersucht infolge einer Herzerkrankung bei einer Dame von 48 Jahren. Diese brachten nur geringe Linderung. Darauf gab er Vesic. in Kombination mit den anderen. Innerhalb von vierundzwanzig Stunden trat ausgeprägte Linderung ein, und nach zehn Tagen war die Wassersucht verschwunden.]