Selenium metallicum

von Richard Hughes & Jabez P. Dake — Enzyklopädie der Arzneimittelpathogenese

Historische Referenz für Behandelnde und Studierende. Die nachstehenden Aussagen spiegeln die homöopathische Lehre des genannten Autors wider und belegen keine Wirksamkeit einer Behandlung. Dieser Text stellt keine medizinische Beratung dar und darf eine angemessene Diagnose oder Behandlung nicht ersetzen.

Band IV — Haupttext

SELENIUM.

I. Prüfungen. — 1. (Keine Angaben über Prüfer, Dosen oder Zeitpunkt des Auftretens.) a. Sehr vergesslich, besonders in geschäftlichen Angelegenheiten; im Halbschlaf erinnert er sich jedoch an alles. Vorübergehendes Reißen tief im Kopf. Jeden Nachmittag Kopfschmerzen. Kopfschmerzen nach Tamarindenlimonade. Er bekommt jedes Mal Kopfschmerzen, wenn er Limonade oder Wein, bisweilen auch Tee trinkt, nicht aber nach Wasser, Schokolade, Kaffee oder Branntwein. Erzeugt und heilt alte Anfälle heftiger einschießender Kopfschmerzen über dem l. Auge, die ihn zum Hinlegen zwingen, mit äußerer Druckempfindlichkeit des Kopfes, reichlichem Wasserlassen, Appetitlosigkeit und Niedergeschlagenheit; auch durch Gehen in der Sonne und starke Gerüche hervorgerufen. Ausfallen der Haare beim Kämmen. Fettige Gesichtshaut. Glabella geschwollen, als wollten Pickel hervorbrechen. Juckende Bläschen in den Augenbrauen. Die Haare der Augenbrauen fallen aus. Kleine runde Bläschen mit Juckreiz und Druck am Lidrand, als stecke dort ein Sandkorn. Schmerzen tief in den Augenhöhlen. Zunehmende Kurzsichtigkeit.

b. Kleine Pickel hinter dem Ohr. Im schwerhörigen Ohr ist das Ohrenschmalz härter, im guten Ohr feuchter; in beiden vermehrt. Aus einer schwarzen Hautpore nahe der Nase trat ein Pfropf aus, danach — wie nie zuvor — etwas Eiter; später entzündet sich die Stelle. Juckreiz am Rand der Ala nasi, der ihn zum Reiben zwingt und häufig wiederkehrt. Schmerz im Septum nasi, als wolle ein Pickel entstehen. Juckreiz in der Nase. Sie muss häufig mit den Fingern in der Nase bohren.

c. Abneigung gegen gesalzene Speisen. Oberlippe hinten aufgesprungen. Weniger Schleim in Fauces und Kehlkopf; mehr kommt aus Choanen und Nase. Zunge m. mit dickem weißem Belag. Zahnschmerz, als wäre der Zahn innen hohl; er muss so lange im Zahn stochern, bis Blut kommt. Zähne frei von Schleim, glatter und härter, sodass sie beim Reiben mit dem Finger knirschen; gleichzeitig Zunge belegt. Wenig Appetit, m. Hunger beim Aufstehen n. Spät e. hat er großes Verlangen, Branntwein zu trinken, obwohl er dessen Genuss ganz ungewohnt ist. Häufiges Verlangen nach Branntwein. Beim Tabakrauchen entsteht auf den Lippen ein widerlich süßlicher Geschmack. Beim Rauchen vor dem Essen Schluckauf und Aufstoßen. Vor dem Essen Kollern im Bauch. Nach dem Essen erschöpft; er möchte sich hinlegen, kann aber wegen des Klopfens in den Blutgefäßen des ganzen Körpers nicht schlafen; die Pulsation fühlt er hauptsächlich im Bauch. Schmerzen auf der r. Seite um und unter den letzten Rippen, besonders beim Einatmen, bis zur Nierengegend ausstrahlend; überall sehr empfindlich gegen äußeren Druck. Roter, juckender, miliärer Ausschlag in der Lebergegend. Heftiges Einschießen in der Milzgegend zwischen l. Crista ilii und Nabel beim Gehen, sodass er kaum weitergehen kann. Loser Stuhl, danach Empfindung im After, als hätte er einen harten Stuhl gehabt. Schneiden im Bauch, gefolgt von Abgang von Blähungen, e.; n. wiederholt. Stuhl härter; am Ende etwas Blut. Stuhl unter großer Anstrengung abgesetzt, am Ende schleimig. Stuhl hart und im Rektum so angehäuft, dass er kaum entleert werden kann.

d. Muss nach dem Stuhlgang stets Wasser lassen und lange warten, ehe der Harn kommt. Harn spärlich und dunkel gefärbt. Harn rot, c. Gefühl an der Harnröhrenmündung, als würde ein scharfer Tropfen herausgepresst. Sowohl beim ruhigen Sitzen als auch beim Gehen tritt unter sehr unangenehmer Empfindung ein Tropfen Prostataflüssigkeit aus der Harnröhre. Kurz vor dem Stuhlgang und bald danach tritt ein Tropfen wässriger, zäher Flüssigkeit aus der Harnröhre. Schmerz längs der Harnröhre, danach tritt ein Tropfen aus. Prostataflüssigkeit tropft aus. Juckende Schmerzen im r. Hoden, c. Juckreiz am Skrotum. Schweiß am Unterbauch und Pudendum beim Sitzen. Unbemerkter Samenerguss im Schlaf. Der Samen beim Koitus und bei Pollution sowie der unbemerkt abtropfende ist sehr dünnflüssig und völlig geruchlos. Samenerguss bei weichem Penis. Schwache Erektionen. Vermindertes sexuelles Verlangen. Impotenz

bei wollüstigen Gedanken. Nur geistig wird er zum Koitus erregt, ohne körperliches Verlangen; die Erektion erfolgt langsam und ist unvollständig; der Samenerguss kommt zu früh, doch hält das Wollustgefühl lange an. Nach dem Koitus sehr schwach und verdrießlich.

e. Plötzlicher Fließschnupfen mit reichlichem Schleimausfluss, der bald vorübergeht. Jeden e. Fließschnupfen. Gallertartiger Nasenschleim, bisweilen mit kleinen gelben Klümpchen. Gelber, dicker, klumpiger Nasenschleim. Zunehmende Heiserkeit beim Singen, besonders zu Beginn. Er muss häufig räuspern, wechselnd mit Heiserkeit. Beim Räuspern weist der Schleim häufig einen Blutfleck auf. Husten m.; obwohl er selten und schwach ist, scheint die ganze Brust daran beteiligt; mit Blut vermischte Schleimklumpen werden ausgeworfen. Tiefes, seufzerartiges Atmen. N. beim Liegen Schmerz in der Brust, auf der l. Seite, bisweilen auch im Kreuzbein, die Atmung behindernd.

f. Reißen durch die l. Halsseite. Schmerz in der Gegend der Zungenwurzel. Auf der l. Halsseite über der Karotis ist eine Drüse schmerzhaft, besonders auf Druck; gleichzeitig reißende Schmerzen längs des Halses. Kleine juckende Papeln auf dem Rücken. Kreuzbein fühlt sich m. wie gelähmt an, ohne Schmerz. Miliärer Ausschlag am Unterarm. Reißen in den Händen, n. Knacken des Handgelenks beim Strecken oder Drehen. Innerliches Zittern in der l. Hand, an der Kleinfingerseite. Juckreiz an der Innenseite des Handgelenks. Heftiger Juckreiz zwischen dem dritten und vierten Finger. Juckreiz an den Fingerkuppen; nach dem Kratzen ein weißer, von Rot umgebener Fleck. Juckende Papeln an den Händen. Juckende Bläschen am unteren Winkel der l. Hand. Seitlich am Nagel schält sich ein Hautstreifen ab, bis die Stelle wund und schmerzhaft wird. Reißen an der Rückseite des l. Oberschenkels hinab. Bei einem mageren Menschen wird durch Sitzen die Haut über den Sitzbeinhöckern wund. Knacken des Knies bei Bewegung im Liegen. Krampf in Waden, Sohlen, nahe den Knöcheln und in den Beugesehnen der großen Zehe, beim Liegen, e. Krampf in der Sohle bei Bewegung, n. und gegen m. Juckende, brennende Pickel zwischen Oberschenkel und Skrotum. Juckreiz und kleine Pickel am Gesäß. An der l. Wade ein Knötchen, das er wund kratzt; es sondert lange Zeit Feuchtigkeit ab. Juckreiz der Füße, e. Am l. Innenknöchel ein flacher Pickel mit Pustel, schmerzlos; er wird zu einem kleinen Geschwür. Eine aufgekratzte Stelle oberhalb des Knöchels sondert weiterhin Flüssigkeit ab. Juckreiz um und unter dem Knöchel. Heftiger Juckreiz zwischen Achillessehne und Knöcheln. An der Innenseite der r. Achillessehne ein kleines Knötchen auf der Haut, das weder juckt noch schmerzt. Aufgescheuerte Blase auf einem Zehengelenk, m.

g. Häufiges Ameisenlaufen, als läge Staub auf kleinen Stellen um Mund, Wange und Kinn; zwingt zum Kratzen, wodurch es verschwindet. Unüberwindliches Verlangen, sich hinzulegen und auch zu schlafen; danach sind alle Symptome schlimmer. Beim Sitzen während der Arbeit muss er häufig plötzlich aufhören und sich hinlegen, ohne etwas anderes zu empfinden, als dass es ihm unmöglich ist, auch nur das Geringste zu tun. Auffallende Abmagerung, besonders an Gesicht, Händen und Oberschenkeln. Schmerzen in allen Gliedern wie von einer Verkühlung. Er muss sich hinlegen, solange die Tageshitze anhält, und bleibt im Halbschlaf; seine Denkkraft ist sehr schwach.

h. Nach der Mittags-Siesta viel zäher Speichel. Schläft den ganzen Vormittag tief. Früh e. schläfrig, dann nur Halbschlaf mit häufigem Erwachen; um Mitternacht völlig wach; nach erneutem Lesen wieder schläfrig; erst gegen m. fester Schlaf. Kann e. lange Zeit nicht einschlafen. Zucken des ganzen Körpers beim Einschlafen, e. Schlaf mit vielen Träumen, an die er sich nicht erinnert. Historische Träume von fernen Personen, n. Träume von den täglichen Geschäften. Wacht n. bei jedem noch so kleinen Geräusch auf. Erwacht sowohl aus der Siesta als auch aus dem nächtlichen Schlaf mit großer Trockenheit von Mund, Fauces und Ösophagus; muss viel Wasser trinken, worauf Schweiß ausbricht. Beim Erwachen zunächst benommen, dann träge; nach dem Waschen ganz munter. Fühlt sich nach dem Schlafen sehr krank. Braucht lange zum Einschlafen und erwacht früh. Von 3 a.m. an bleibt er wach und fühlt sich wohl. Erwacht sehr früh und stets zur gleichen Stunde, wie spät er auch eingeschlafen sein mag; dies über mehrere Wochen. Aus tiefem, traumreichem Nachmittagsschlaf erwacht er ganz pünktlich auf die Minute, zu der es Zeit war auszugehen, 14. d.

i. Viel Schweiß beim Ausgehen, a.m. Der Schweiß auf Brust und in den Achselhöhlen hinterlässt steife weiße Flecken auf der Wäsche. Hitze der Haut, als käme sie aus einem Ofen; er empfindet sie äußerlich, nicht innerlich, obwohl große Körperflächen heiß sind, bald die Seite, bald Brust, Lenden und Bauch. (Heilt auch eine zu große Neigung zum Schwitzen beim Gehen und während der Mittags-Siesta, nachdem diese zuvor stark zugenommen hatte; sobald sie nachzulassen beginnt, hat der Schweiß für ihn einen angenehmen Geruch.)

j. Völlige Unfähigkeit, irgendeine Arbeit zu verrichten; obwohl er immer wieder anfängt, muss er bald aufhören. Nach geistiger Arbeit, die er eifrig bis spät n. fortgesetzt hat, ist er so ungewöhnlich ermüdet, dass er mehrere Tage lang nur an die notwendigsten Dinge denken kann; erst nach langer Zeit kann er seine Arbeit fortsetzen. Große Redseligkeit.

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Abneigung gegen Menschen und gegen seine Arbeit; hat er sie jedoch überwunden, kann er gut fortfahren. Träume von Streit und widernatürlicher, widerlicher Grausamkeit. (Hering, Archiv, xii, 3, 193.)

II. a. Zwei dr. der 4. Verd., e. 18. Jan. Viel Durst, e. Häufige Miktion, n. Kitzeln und Kratzen im Hals mit dem Bedürfnis, Schleim heraufzuräuspern. Brennendes Gefühl an der Zungenspitze, das ihn weckt. — 29. Hunger, m. Dumpfe Stiche in Stirn, Schläfen und Augen, nachdem er aus kalter Luft in ein warmes Zimmer gekommen ist, a.m. und e. Um 9 p.m. schläfrig; muss zu Bett gehen und schläft sofort ein. Brennen und Juckreiz an den Rändern der r. Augenlider; er muss sie reiben. Hals sehr trocken, e. Vermehrter Appetit und Hunger. Kein Stuhl m. — 30. N. gut geschlafen; kann um 7 a.m. kaum erwachen. Traumreicher Schlaf, ganz von Berechnungen handelnd. Beim Erwachen m. starke Erektion mit Wollustgefühl. Große Verwirrung im Kopf, besonders e. Druck im Magen, als wolle ein Krampf eintreten. Eine Art Stammeln; er macht Fehler beim Sprechen, versetzt Silben und kann viele Wörter kaum aussprechen, einen d. lang. E. beim Liegen neben seiner Frau keine Erektion; beim Wachliegen m. hingegen Erektion, jedoch ohne sexuelles Verlangen oder Wollustgefühl. Schläft n. spät ein. — 31. Erwacht früh. Unangenehmes und starkes Trockenheitsgefühl im Hals.

b. Eine dr. der 3. Verd., e. 8. Feb. Der Harn riecht nach 6 m. stark nach Veilchen. Träume vom Reisen und Verlangen nach Koitus; beim Erwachen starke Erektion. — 9. Verdrießlich, schläfrig, träge; häufige Anfälle von Gähnen und Strecken. — 10. Heraufräuspern von mit Blut vermischtem Schleim, e. — 11. Einen d. lang Zittern der Augenlider und undeutliches Sehen. Tränen der Augen und dumpfer Druck im l. Auge. Häufiges krampfartiges Zucken im l. Augapfel. Ohren verstopft, als wäre eine Haut darübergespannt; dies verschwindet für kurze Zeit, wenn er den Finger in das Ohr steckt und es schüttelt. — 14. Beim Gehen träufelt Harn ab. Zahnschmerz in einem hohlen Zahn, als müsse er herausgezogen werden, mit Kältegefühl in der Wange; gelindert im Freien und durch kaltes Wasser, das in den Mund genommen wird, sowie durch Essen, Trinken und Rauchen; e. im Bett nehmen die Schmerzen jedoch zu, mit Pochen und Klopfen im l. Auge, in der l. Schläfe und Wange. — 18. Im l. Ohr eine ferne Stimme wie „Wee, wee“, das Gehör gedämpft, im Bett, e. — 19. Beim Ausfahren e. Schwindel; er fürchtet zu fallen. — 20. Schwindel wie berauscht; er taumelt und muss sich festhalten, mit Anfällen von Ohnmachtsgefühl, blassem, verzerrtem Gesicht und Angstschweiß, sodass sein Hemd tropfnass wird; als er sofort nach dem Frühstück ausfährt, muss er unverzüglich nach Hause zurückkehren, wo er erbricht und so schwach wird, dass er zu Bett gehen muss. — 21. Ein Anfall: nahezu ständiger Schwindel; alles dreht sich im Kreis, sodass er die Augen beinahe ständig geschlossen halten muss; darauf folgt Übelkeit mit Schweißausbruch am ganzen Körper und dann Erbrechen alles Gegessenen, obwohl er es mit Appetit verzehrt hatte. Nachdem die Speisen erbrochen waren, erbrach er geschmackloses Wasser und Schleim und zuletzt saures Wasser. Die Anfälle waren eine h. nach Frühstück und Mittagessen am heftigsten; danach äußerste Schwäche mit großem Verlangen nach kaltem Wasser, das stets wieder erbrochen wurde; der Geschmack war fade und schal, obwohl die Zunge nicht belegt war; Stuhl weich, reichlich, gallig gefärbt; Einschießen vorn in der Brust wie von verlagerten Blähungen; Gefühl wie von einem Brett vor der Stirn, später als drücke eine warme Hand die Stirn auf das Kissen; gleichzeitig häufiger Schluckauf und häufiges Aufstoßen; Kopf sehr benommen, kann seine Gedanken nicht sammeln und befindet sich häufig im Halbschlummer; er muss völlig still liegen; der Schwindel wird durch Bewegung und Aufrichten im Bett verstärkt; der Harn ist spärlich und rötlich; Abgang von Blähungen erleichtert seinen Zustand. Diese Anfälle wiederholten sich 48 h. lang jede h. oder anderthalb h.; n. hatte er jedoch mehrere h. Schlaf. — 22. Trüber Harn mit ziegelstaubartigem Sediment. Großes Schweregefühl im Hinterkopf, gelegentliche Wellenbewegungen im Gehirn, Flattern in beiden Ohren sowie Zucken und Druck in beiden Augäpfeln. Während die Übelkeit nachließ, trat in einem hohlen l. Backenzahn ein ziehender, einschießender Schmerz auf, dazu Pochen im r. Ohr. (Schreter, N. Archiv, iii, 3, 184.)

III. Tierversuche. — 1. Rabuteau experimentierte an 7 mittelgroßen Hunden, denen er 10–50 Zentigramm Kalium- oder Natriumselenit bzw. -seleniat, in Wasser oder Milch verdünnt, entweder unmittelbar durch intravenöse Injektion oder über den Magen zuführte. Die Tiere starben; gleichviel, ob sie eine halbe h. nach Einbringen des Giftes in den Organismus oder erst einige d. später verendeten, gingen alle unter Erstickungserscheinungen zugrunde. Die Lungen fanden sich ausgedehnt und stark gestaut, die Luftwege injiziert, die Luftröhre mit Schaum verlegt und das Blut in den Arterien dunkel gefärbt. (Éléments de Thérap. et de Pharmacologie. 1872.)

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