Lillium tigrinum
By James Tyler Kent — Vorlesungen über homöopathische Arzneimittellehre
Lilium Tigrinum Soweit arzneilich geprüft, hat sich Lilium Tigrinum den Beschwerden von Frauen als angepasst gezeigt.
Es ist besonders geeignet für hysterische Frauen, die an Gebärmutterbeschwerden, Herzbeschwerden und verschiedenen nervösen Erscheinungen leiden; geeignet für eine Frau, die äußerst reizbar ist, voll phantastischer Vorstellungen, Geistesstörung, religiöser Melancholie und Einbildungen, mit Herzaffektionen und Prolaps.
Diese Zustände wechseln oft miteinander ab; wenn die psychischen Symptome am ausgeprägtesten sind, werden die körperlichen Symptome gelindert. Das mit dem Prolaps verbundene „Nach-unten-Ziehen“ scheint ein Herabziehen aus der Magengegend zu sein, ja bisweilen sogar aus dem Hals.
Ein Drängen nach unten, als ob alle inneren Organe herabgezogen würden. Bei diesem Zustand äußerster Erschlaffung besteht große Unruhe, und am ausgeprägtesten von allem ist Herzklopfen. Sie kann nur auf dem Rücken liegen und wird durch Liegen auf der einen wie auf der anderen Seite verschlimmert. Bei jeder Gemütsbewegung flattert das Herz und ist unregelmäßig und erregbar. Diese psychischen Symptome, Herzsymptome und Gebärmuttersymptome drehen sich oft im Kreis oder wechseln miteinander ab und bilden die Hauptzüge.
Geist
Sie kann kaum zu irgend jemandem ein anständiges Wort sagen. Sie fährt selbst dann scharf heraus, wenn man sie freundlich anspricht. Sie ist so reizbar, daß ihre Freunde sie nicht beruhigen können. Selbst Trost verschlimmert. Wenn man sie anspricht, ist sie gereizt. Sie liegt nachts wach und wird entweder von fanatisch-religiösen Ideen oder von religiöser Melancholie gequält und scheint geneigt, bei verrückten Vorstellungen über Religion und Lebensführung zu verweilen, die unvernünftig, unlogisch und phantastisch sind.
Hat verkehrte Vorstellungen über alles. Empfängt falsche Eindrücke, und alles ist ins Gegenteil verkehrt. Es ist unmöglich, sie zufriedenzustellen. Diese Zustände bestehen nun zusammen mit einem Reizzustand der Geschlechtsorgane, Nymphomanie; heftige sexuelle Erregung, verbunden mit Krämpfen, mit Herzklopfen, mit Schweißen, mit Perioden der Erschöpfung. Sie sitzt allein und grübelt über eingebildete Beschwerden, und wenn man sie anspricht, ist sie mürrisch.
„Gedanken nicht klar; sie werden klarer, wenn sie ihren Willen anspannt.“
„Macht Fehler beim Schreiben und Sprechen, kann den Geist nicht beständig auf etwas richten; gequält um ihr Seelenheil.“
Die Patientin versucht, ein unbeschreibliches Gefühl zu schildern, indem sie sagt, sie habe ein „verrücktes Gefühl“ im Kopf, als ob die Gedanken zerstreut wären, und je mehr sie versucht, vernünftig zu denken, desto irrationaler wird sie. Je mehr sie versucht, an etwas zu denken, desto weniger kann sie es sich ins Gedächtnis rufen. Richtet sie den Geist auf etwas anderes, so kommt es wieder zurück. Dieses Mittel hat alle Arten von Symptomen aus sexuellen Exzessen bei überreizten und nervösen Frauen, aus sexueller Erregung, welche Verwirrung des Geistes mit Herzklopfen verursacht.
Im Text heißt es:
„Teilnahmslos, träge, und doch will sie nicht stillsitzen.“
Diese Patientin sitzt still und grübelt und denkt über Vergangenes nach, und wenn man sie anspricht, springt sie auf und läuft hastig und erregt umher und wirft ohne Ursache die Tür zu; wenn Familienangehörige oder ein Freund sie freundlich ansprechen, scheint es, als würde sie wild werden.
Eine Patientin, die einmal unter einer Verschlimmerung durch dieses Mittel stand, sagte zu mir:
„Man sprach mich heute in der Straßenbahn an, und ich war so wütend, daß ich ihm etwas an den Kopf werfen wollte.“
Sie dachte über etwas nach, das sie selbst betraf, und wollte nicht gestört werden. Es ist ein heftiger Zornzustand, ein heftiger Reizzustand, ein Verlust des Gleichgewichts. Sie sagt:
„Es ist, als müßte ich fliehen, wenn man mich anspricht oder stört.“
Wenn sie mit ihren Freunden in Berührung kommt, hat sie diese Gefühle. Der Kontakt scheint sie aus einem Zustand von Mattigkeit und Ruhe herauszureißen. Seltsame Dinge kommen bei diesem Mittel vor. Die im Text beschriebenen Empfindungen sind so vage und so verschiedenartig, daß man sehen kann, daß es für die Arzneiprüfer eine Anstrengung ist zu beschreiben, was sie fühlen. Die Empfindungen sind zahlreich und unbeschreiblich.
Diese Patientin ist sehr häufig warmblütig.
Sie ist wie die Pulsatilla-Patientin; warmblütig, verlangt ein kühles Zimmer, mag Gehen im Freien, außer zu Zeiten, in denen der Prolaps durch Gehen verschlimmert wird. Der Kopf wird im allgemeinen durch Bewegung im Freien gelindert, > beim Gehen im Freien. Der Kopfschmerz und die meisten Beschwerden werden durch Kälte oder durch ein kühles Zimmer gelindert und durch ein warmes Zimmer verschlimmert. Die Dyspnoe kommt in einem warmen Zimmer auf. Die Patientin erstickt in einem überfüllten Raum, im Theater, in der Kirche, wie Apis, Iodine, Kali i., Lyc. and Puls.
Kopf
Ein verrücktes Gefühl steigt vom Hinterkopf bis zum Scheitel empor.
Was das ist, kann nur der beschreiben, der es empfindet. Es wird manchmal als Kribbeln oder als elektrische Empfindung beschrieben. Ein leichtes Kribbeln steigt den Hinterkopf empor und geht bis zum Scheitel und ist mit Schwindel verbunden. Wenn man versucht, diesen Gedanken zu sichten, gewinnt man daraus eigentlich keine klare Vorstellung. Sehr oft muß man sich solche Dinge klinisch erschließen und darüber nachdenken, um an die Idee heranzukommen.
Die Schmerzen in der Stirn sind sehr ausgeprägt, und sie sind mit starker Sehstörung verbunden, mit Sehverlust; das Zimmer erscheint dunkel, oder die Augen sind unfähig zu fokussieren. Nervöse Sehstörung, Lichtscheu, Zucken der Augenlider, ruckartige Bewegungen der Augäpfel und Entzündung der Schleimhaut der Augen, der Lider und Bulbi, Konjunktivitis. Sehr oft sind bei den Kopfbeschwerden die Augen nach innen gedreht, ein konvergenter Strabismus, oder es droht Synkope bei dem Schmerz in der Stirn.
An all diesen erwähnten Dingen kann man erkennen, welch überempfindliche, äußerst nervöse, hysterische Person die Lilium tig.-Patientin sein muß. Diese Dinge sind gewöhnlich verbunden mit Patientinnen, die äußerst nervös sind, die Herzflattern haben, die Schmerzen die Wirbelsäule hinab haben und mehr oder weniger Prolaps, mit starkem Gefühl des Herabziehens. Wenn der eine Zustand vorhanden ist, fehlt der andere gewöhnlich; sie wechseln miteinander ab, oder sie können alle zusammen bestehen.
„Wildes Gefühl im Kopf, als ob sie verrückt würde, mit Schmerz in der rechten Iliakalgegend.“
Diese Arzneiprüfer schienen den Ausdruck „verrücktes Gefühl im Kopf, als ob sie verrückt würde“ zu mögen.
Dieses verrückte Gefühl ist eine Verwirrung des Geistes, als ob der Geist ganz unfähig wäre, sich zu konzentrieren. So ist dieses verrückte Gefühl zu deuten, das die Patientinnen haben. Es ist bisweilen wie ein Schwindel, als ob sich die Dinge drehten, oder als ob sie den Verstand verlieren würde. Dann kommt es wieder als schrecklicher, reißender Kopfschmerz, beschrieben als verrückter Kopfschmerz in der Stirn. Kopfschmerz, bei dem Verwirrung des Geistes besteht, oder als ob der Geist verrückt würde.
Bauch
Der Bauch, der Stuhl, die Harn- und Geschlechtsorgane geben uns ein Anwendungsgebiet für dieses Mittel.
Die gesamten Baucheingeweide scheinen vom Magen her nach unten gezogen zu werden. Die Patientin möchte den Bauch hochhalten, hängender Bauch. Es ist, als ob die Beckenorgane hervortreten würden. Die Patientin muß sich hinlegen, möchte eine T-Bandage tragen. Möchte den Bauch von den Seiten her fassen und zur Unterstützung anheben. Es ist ein Gefühl von Schwäche oder Drängen nach unten im Becken, als ob alles durch die Vagina zur Welt käme.
Dieses Mittel hat eine sehr dringliche Diarrhöe, die morgens aus dem Bett treibt; sie muß sich sehr beeilen. Man kann dies mit Sulphur verwechseln, weil Lilium tig. große Hitze im Kopf, Leere im Magen und starkes Brennen der Handflächen und Fußsohlen hat. Es hat auch eine Dysenterie, die Sie kaum von Merc. cor. unterscheiden können, so ausgeprägt sind Tenesmus, Schleim und Blut.
Der Stuhl ist lediglich mit Blut vermengter Schleim, und der Tenesmus ist ebenso groß und das Brennen im Anus ebenso ausgeprägt wie bei Merc. cor. Es ist besonders geeignet für jene Dysenterieanfälle, die bei nervösen Patientinnen, wie ich sie beschrieben habe, als gelegentliche chronische Manifestation auftreten. Denken Sie nun nicht, daß diese Patientin, weil sie nervös ist, schwach oder winzig oder mager sei; denn es ist besonders geeignet für solche mit vollen Venen; scheinbar plethorische, vollblütige, fleischige, rundliche Frauen, die sehr nervös sind, und besonders in den Wechseljahren.
Rezidivierende dysenterische Anfälle bei jeder Verkühlung bei denen, die an Becken- und Baucherslaffung, psychischer Reizbarkeit wie beschrieben, Herzklopfen und Herzflattern leiden, bei nervösen Konstitutionen. Merc. cor. sieht man in einem solchen Bild nicht. Wäre es eine Dysenterie allein, könnte ich nicht sagen, welches es wäre.
Alle diese dysenterischen Erscheinungen sind aus den Guiding Symptoms ausgelassen worden, und doch habe ich sie immer wieder bestätigt gesehen. Wiederum hat es eine höchst hartnäckige und lästige Verstopfung.
Es hat auch einen Tenesmus der Harnblase und des Rektums. Quälender Drang zum Wasserlassen ebenso wie Stuhldrang. Sitzt lange unter starkem Drang, und nach langem Pressen kein Stuhl.
Häufiger Drang, mit dem Gefühl, als sei eine Kugel im Rektum. Wenn der Fundus der Gebärmutter nach hinten gegen das Rektum umgebogen ist, gibt das ein Gefühl, als sei das Rektum voll Kot; es ruft Stuhldrang hervor, und die Patientin sitzt und preßt, und der Tenesmus der Harnblase und des Rektums ist unerträglich. Ständiger Drang zum Stuhl, und kein Stuhl im Rektum. Sie werden erstaunt sein zu erfahren, daß das bei solchen Symptomen angezeigte Mittel die Patientin in kurzer Zeit von aller Qual befreien wird.
Aber Sie fragen, wird dieses Mittel die Gebärmutter wieder richtig stellen? Nun, die Patientin wird Erleichterung ihrer Leiden erhalten und diesen unangenehmen Zustand nach Gabe des Mittels nicht mehr empfinden. Die Darmtätigkeit wird regelmäßig, die Störung der Miktion wird gelindert, und die Patientin kehrt allmählich zur Gesundheit zurück, und später wird die Gebärmutter an ihrem Platz gefunden werden.
„Druck im Rektum, mit fast ständigem Drang zum Stuhl.“
Lilium tigrinum hat die hartnäckigsten hervortretenden Hämorrhoiden mit Brennen geheilt.
„Hämorrhoiden nach der Entbindung, berührungsschmerzhaft, Drängen nach unten nach dem Stuhl, als ob alles aus der Vagina hervortreten würde.“
Es bedeutet nicht, daß wir dies einfach nur auf Hämorrhoiden anwenden sollen, die nach der Entbindung auftreten; aber es hat Hämorrhoiden in einer solchen Konstitution geheilt, und nicht nur Hämorrhoiden, sondern auch erschlaffte Gebärmutter und Vagina.
Eine paralytische Erschlaffung ist in allen Geweben des Bauches vorhanden. Ich habe die Gebärmuttersymptome beiläufig im Zusammenhang mit anderen Teilen erwähnt.
„Menstruation spärlich, fließt nur bei Bewegung.“
Das wird Sie an Puls. denken lassen, weil die Menstruation so spärlich ist und weil die Puls.-Patientin von ähnlichem nervösem Temperament ist. Puls. hat spärliche Menstruation und Besserung im Freien. Es hat auch viel Herabziehen im Becken, wenn auch in der Regel nicht so extrem wie bei diesem Mittel. Aber vieles an diesem Mittel ist ganz anders als bei Puls.
Dann kommen die Herzsymptome.
„Es ist, als werde das Herz wie in einem Schraubstock fest gepackt oder zusammengedrückt, als werde es heftig umklammert.“
„Zusammenschnürender Schmerz im Herz.“ „An frischer Luft fröstelig, aber der Schwindel ist >.“
Schmerz im Rücken und die Wirbelsäule hinab; reizbare und empfindliche Wirbelsäule mit Zittern. Es konkurriert sehr eng mit Platina.