Santoninum.
By John Henry Clarke — Der Neue Clarke – Eine Enzyklopädie für den homöopathischen Praktiker
Santonin. Ein neutrales aktives Prinzip, gewonnen aus Cina (sogenanntes "Semen Cinæ"). C 15 H 18 O 3 . (Farblose, glänzende, rechte rhombische Prismen, geruchlos und von bitterem Geschmack. Werden bei Einwirkung von Sonnenlicht gelb. In kaltem Wasser fast unlöslich, in kochendem Wasser etwas löslich; ziemlich löslich in Chloroform, kochendem rectifiziertem Spiritus und in starker Essigsäure, flüchtigen Ölen, warmem Olivenöl.) Verreibung.
Klinisches
Amblyopie / Katarakt / Konvulsionen / Husten / Zystitis, chronisch / Diarrhö / Dysurie / Augen, Lähmung der / Enteralgie / Enteritis / Enuresis / Epilepsie / Epistaxis / Gastroenteritis / Riesenurtikaria / Hämoglobinurie / Hemiplegie (l.) / Remittierende Kinderfieber / Strangurie / Tetanus / Wasserlassen, häufig / Urtikaria / Sehen, gelb / Erbrechen / Würmer
Charakteristika
Santonin. ist das bevorzugte Anthelminthikum der alten Schule, und es wurde hauptsächlich gegen Lumbrici verabreicht. 2 bis 5 Gran sind die gewöhnlichen Dosen, doch haben diese schwere und in ein oder zwei Fällen tödliche Vergiftung verursacht. Konvulsionen, linksseitige Lähmung, Delir, Erbrechen und Abführen sind die Folge gewesen. Ein von Demme aufgezeichneter Fall wurde im Brit. Med. J., 26. März 1892, zitiert: Ein Knabe von 3 Jahren erhielt von seiner Mutter während dreier Tage fünfzehn Tabletten, jede enthaltend gr. 1/3 Santonin. Die hervorgerufenen Symptome waren: Erbrechen, Erweiterung der Pupillen, Kollaps, Zyanose, Dyspnoe und schließlich Konvulsionen. Nach einem warmen Bad mit kalten Begießungen auf Kopf und Wirbelsäule kehrte das Bewusstsein zurück. Die Temperatur betrug 103,5°, Epistaxis und Hämoglobinurie traten auf, und ein scharlachähnlicher Ausschlag wurde bemerkt. Das Kind erholte sich schließlich. Nach einer Dosis von 7 Zentigramm wurde ein Kind von 2 Jahren von Prostration, Konvulsionen, Krämpfen und Ikterus befallen, gefolgt am dritten Tag von Speichelfluss und Ulzeration des Zahnfleisches (Bull. Ther. Jan. 30, 1872). Weniger ernst, aber sehr charakteristisch sind die Wirkungen auf die Sinne, besonders auf den Gesichtssinn. Visionen von Gestalten sind hervorgerufen worden, und farbiges Sehen ist ein häufiges Phänomen, selbst wenn die niedrigeren Verreibungen verwendet wurden. Gelb ist die vorherrschende Farbe, doch sind auch grünes und violettes Sehen ausgeprägt. Auch der Harn ist gelb gefärbt und färbt gelb ab, und er wird mit starkem Drängen und schmerzhaftem Brennen entleert. Eine Art Riesenurtikaria trat in einem Fall auf. Hale berichtet, dass Sant. Fälle von "nervöser Blindheit" geheilt habe. Es wurde einem alten Mann, völlig blind, wegen Würmern gegeben, und sein Sehvermögen kehrte teilweise zurück. Dies führte zu weiteren Versuchen. Es wurde in neun Fällen von Katarakt gegeben, und nach Hale wurden vier geheilt, die übrigen nicht gebessert. Hale erwähnt Enuresis, Strangurie, chronische Zystitis als dadurch geheilt. Es hat einige "glänzende Heilungen" chronischen Katarrhs der Blase bewirkt. Remittierende Kinderfieber, mit oder ohne Würmer, sind dadurch geheilt worden. Bei einem Arzneiprüfer bestand "Empfindlichkeit des Bauches", was ein Leitsymptom sein kann.
Beziehungen
Vergleiche: Cina. Farbiges Sehen, Cycl. Amaurose, Benz. dinit., Carb. sul.
1. Gemüt
Delir. Erregt, lacht und singt. Hysterisch. Unruhig, reizbar; will alles, ist mit nichts zufrieden. Tiefe und ungewöhnliche Niedergeschlagenheit, mit Unentschlossenheit und Mangel an Selbstvertrauen, wodurch er zu Arbeit jeder Art untauglich wird; Melancholie wie die durch Gelbsucht hervorgerufene. Koma.
2. Kopf
Schwindel. Schwindel und intensive Kopfschmerzen, jeder Gegenstand sieht hellgrün aus. Kopf dreht und windet sich, unruhig. Dumpfheit des Kopfes. Schmerz in der Stirn.
3. Augen
Blaue Ringe um die Augen. Augen: krampfhaft verdreht; verzerrt; starrend. Druck in der supraorbitalen Region. Druck in den Augen. Pupillen enorm erweitert; und unempfindlich. Lichtscheu und Tränenfluss. Flimmern vor den Augen. Gegenstände scheinen zu schwanken und zu tanzen; Visionen von Gestalten, Kirschen, Tieren, &c. Farbiges Sehen: gelbe Suppe sieht rot aus; blauer Abendhimmel sieht grün aus; Gegenstände sehen grün aus; Weiß sieht gelb aus; Gegenstände wie in gelbem Dunst oder gelbem Licht; violett.
5. Nase
Geruchshalluzinationen. Dinge riechen eigentümlich. Epistaxis.
6. Gesicht
Krampfhafte Bewegungen der Gesichtsmuskeln, bes. Lippen und Augenlider. Gesicht eingefallen, Einziehen der Lippen über die Zähne mit zusammengekniffenem Ausdruck von Mund und Nase. Rotes, heißes Gesicht, starrende Augen. Gesicht bleich. Bleich um den Mund, < nachmittags. Eine Wange weiß, die andere (l.) rot (bleibt mehrere Tage rot). Schwellung beginnt unter dem Kinn, breitet sich nach beiden Seiten aus, bes. zur l. Ohrspeicheldrüse hin. Lippen zu enormer Größe geschwollen, glänzend durch die Spannung.
7. Zähne
Knirschen mit den Zähnen während des Schlafs. Zähne zusammengebissen.
8. Mund
Zunge: tiefrot; trocken. Schaum vor dem Mund. Brennende Schmerzen scheinen sie zu quälen, da sie alles in den Mund zwingt. Geschmackshalluzinationen.
9. Hals
Die Drüsen des Halses, Ohrspeichel- und Unterkieferdrüsen, begannen nach etwa fünf Tagen zu schwellen und nahmen weiter zu, bis der Hals so ausgefüllt war, dass das Schlucken beinahe verhindert wurde (tödliche Wirkung von gr. vi. bei einem Kind von drei Jahren).
11. Magen
Mangelnder Appetit. Durst: intensiv; fortwährend nach eiskaltem Wasser, das sie gierig schluckte. Häufiges Aufstoßen. Übelkeit; und Erbrechen. Erbrechen: und Abführen mit heftigen Bauchschmerzen; gelblicher, schleimiger Schleim von 11 Uhr abends bis zum nächsten Vormittag. Eines Nachts, nachdem er einen Teelöffel Nahrung gegessen hatte, würgte er und erbrach eine Teetasse voll Blut und Eiter und starb ohne Kampf. Dumpfer Schmerz in der Magengrube.
12. Bauch
Bauch: wie geprellt, aber weich; heiß, voll; Rumoren darin; sehr empfindlich. Heftige Bauchschmerzen mit Erbrechen und Abführen. Jede Nacht Schmerz im Darm vor dem Stuhl.
13. Stuhl und Anus
Ausgeprägter Tenesmus. Abführen wässriger, flockiger, übelriechender Stühle, nach einigen Stunden von Erbrechen gefolgt. Stühle reichlich, gräulich, faulig riechend.
14. Harnorgane
Häufige Bemühungen, Wasser zu lassen; es gehen jedes Mal nur wenige Tropfen ab. Miktion schmerzhaft durch Brennen in der Harnröhre, ständiges Verlangen, Entleerung nur weniger Tropfen, die Wäsche gelb färben. Harn: tief safrangelb; dick, schwefelgelb; grünlich. Hämoglobinurie.
17. Atmungsorgane
Hustete die ganze Nacht unaufhörlich durch Kitzeln in Kehlkopf und Trachea. Atem: rasch, seufzend; schnell und stoßweise; rasselnd.
18. Brust
Lähmung der Lunge; künstliche Atmung musste angewandt werden.
19. Herz
Puls: schnell und voll; rasch; herabgesetzt; l. fehlend, r. weich und stetig.
21. Extremitäten
Krämpfe der Extremitäten. Zucken von Händen und Füßen.
22. Obere Extremitäten
Krampfhaftes ruckartiges Zucken der oberen Extremitäten.
23. Untere Extremitäten
Gang unsicher und schwankend; taumelte.
24. Allgemeines
Äußerst heftige Konvulsionen, bewusstlos, Kopf heiß, Gesicht gerötet, purpurfarben. Krampf beginnt im Gesicht und breitet sich zu den Extremitäten aus. Teilweise Lähmung einer (l.) Seite. Große Unruhe; Prostration.
25. Haut
Urtikaria; mit Ödem von Nase, Lippen und Augenlidern; über fast den ganzen Augenlidern, mit Erbrechen.
26. Schlaf
Schläfrig, müde. Schlaf unruhig. Schlaf gestört, erwachte unerfrischt mit Übelkeit, frontalem Kopfschmerz und mangelndem Appetit.
27. Fieber
Ganzer Körper eiskalt; Lippen und Ohren blau, Gesicht weiß wie Schnee. Extremitäten kalt, sehr klamme Kälte kroch trotz Umhüllungen aufwärts. Heftiges Fieber, sehr rascher Puls, brennende Hitze der Haut, Gesicht aufgedunsen, Augen glänzend, fixiert. Hitze um den Kopf, < jeden Nachmittag und Abend. Kalte Schweiße. Heißer Schweiß am Hinterhaupt, vorn klammer.