Kissingen.
By John Henry Clarke — Der Neue Clarke – Eine Enzyklopädie für den homöopathischen Praktiker
Kalte, chlorierte, gasreiche, salinische Quellen von Kissingen in Bayern (Quelle Rakoczy). Verdünnung.
Klinisches
Albuminurie / Verstopfung / Hühneraugen / Diabetes / Diarrhö / Gicht / Hämorrhoiden / Leber, Affektionen der / Mesenterialdrüsen, Affektionen der / Geräusche in den Ohren / Rektum, Affektionen des / Milz, Affektionen der / Warzen
Charakteristika
Das Wasser von Kissingen ist von Carl Preu arzneilich geprüft worden, und es wurden Beobachtungen über seine allgemeinen Wirkungen gemacht. Die Zusammensetzung der festen Bestandteile ist sehr kompliziert, doch ist Nat. mur. der führende Bestandteil, vorhanden im Verhältnis von 5,82 bei einer Gesamtmenge von 8,55 auf 1.000. Es lässt sich mit Nauheim, Kreuznach und, bis zu einem gewissen Grad, mit Vichy vergleichen. Constantin James gibt eine ausgezeichnete Darstellung seiner Wirkung, und eine, die für Homöopathen von besonderem Interesse ist, da sie die Lehre von den chronischen Krankheiten und der homöopathischen Verschlimmerung stark berührt. Die Dosis beträgt morgens drei bis sechs Gläser des Wassers und zwei um 4 Uhr nachmittags; doch lautet die allgemeine Regel, dass nicht mehr getrunken werden soll, als der Magen ohne Schwierigkeit verdauen kann. In den ersten Tagen kommt es zu einer Zunahme von Appetit und Kraft; doch in dem Maße, wie das Wasser aufgenommen wird, werden die Wirkungen allgemein. Dann setzt eine eliminatorische "Krise" ein. Die Stühle werden bräunlich, locker, gallig. Der Harn ist trübe und setzt ein Sediment ab, das rasch fault. Die Sekretion der bronchialen, genitalen und okulären Schleimhäute sowie auch der Haut ist vermehrt und im Charakter verändert. Gleichzeitig erleben die Patienten eine Art moralischer und körperlicher Prostration und sind beunruhigt, alte und längst vergessene Beschwerden wieder auftauchen zu sehen. Diese Krise, die in der ersten oder zweiten Woche erscheint, verschwindet bald von selbst, und die Heilung schreitet fort. Die Zustände, gegen welche Kis. besonders nützlich ist, sind abdominale Affektionen, besonders ein katarrhalischer ("saburraler") Zustand der primæ viæ; intestinale Atonie; Rekonvaleszenz nach typhoiden und choleraartigen Affektionen; Affektionen von Leber und Milz und der Darmdrüsen. Auch in Fällen von Gicht, "wo das asthmatische Prinzip auf die abdominalen Eingeweide zurückgeschlagen zu sein scheint"; denn dann ziehen die Wasser es zu den Gelenken heraus. "Nur müssen diese Wasser mit äußerster Vorsicht gehandhabt werden; wenn Sie die Dosen auch nur ein wenig überschreiten, werden Sie einen echten Gichtanfall hervorrufen." So weit Constantin James über die Wirkungen bei Kranken, und die in Allen aufgezeichneten Beobachtungen bestätigen sie. Einige dieser Wirkungen wurden auch bei Patienten beobachtet, und eine davon ist bemerkenswert. Der Patient litt an Bluterbrechen infolge des Verschwindens eines hämorrhoidalen Flusses. Unter der Wirkung der Wasser wurde letzterer wiederhergestellt, und das Bluterbrechen hörte auf. Unter den allgemeinen Wirkungen wurden Zittern des ganzen Körpers, Müdigkeit, Pulsation des ganzen Körpers, Stiche hier und dort vermerkt; und besonders eine sehr weinerliche Gemütslage: "Wenn er nur jemanden ansieht, muss er weinen" (besonders um 10 Uhr vormittags); muscæ volitantes und Geräusche in den Ohren; Frostschauer, Hitze und Schweiß. Die Symptome waren < am Vormittag und nachts, beim Erwachen; während des Essens (Schwindel); während der Menstruation (Zahnschmerz); beim Lesen und Schreiben.
Beziehungen
Vergleiche: Nat. m. (weinerliche Gemütslage; Frostschauer 10 Uhr vormittags; Katarrh; Verstopfung); Ant. c. (saburraler Zustand); Urt. ur. (Gicht); Fer. pic. (Warzen und Hühneraugen).
1. Gemüt
Nachgiebige Gemütsart. Weinen und Klagen, Hin- und Herwerfen wegen Schmerzen. Wenn er nur jemanden ansieht, muss er weinen. Sucht ständig nach unangenehmen Dingen, über die er nachdenken kann, und brütet über ihnen. Angst und Schwäche vor den Menses. Sehr leicht erschreckt. Furchtbare Gedanken nachts beim Erwachen. Missgestimmt, reizbar, erschöpft, lebensmüde; plötzlich; immer eine Stunde nach dem Trinken des Wassers; sehr vorübergehend. Unfähigkeit zu geistiger Arbeit. Unentschlossen. Sprechen schwierig, weil er beim Sprechen ständig Fehler macht. Verlust von Ideen. Schwaches Gedächtnis.
2. Kopf
Schwindel während des Essens; plötzlich nach dem Essen gekochter Kirschen. Gefühl von Trunkenheit. Spannungsartiger Kopfschmerz < durch Lesen. Blutandrang zum Kopf und zur Brust mit kalten Füßen. Schmerz in beiden Stirnhöckern, erstreckt sich hinab zum Nasenbein. Kopfschmerz über dem l. Auge mit Doppeltsehen. Ziehen im Kopf, von der Nasenwurzel nach oben ziehend. Drückender Schmerz tief im Hinterhaupt. Spannungsartiger Schmerz in der ganzen Kopfhaut. Juckreiz am Hinterhaupt.
3. Augen
Das Weiße des Auges scheint gelb. Starrender Blick. Brennen in den Augen, abends. Druck und Juckreiz in den Augen. Augenlider: spannungsartig; Zucken im r. unteren; Rötung; Verkleben. Scharfer Tränenfluss mit Schmerz in den Augenwinkeln. Muscæ volitantes.
4. Ohren
Heiße Ohren. Klingeln und Brausen in den Ohren.
5. Nase
Katarrh: fließend; verstopft. Nase trocken. Kriechen im r. Nasenloch, als ob er niesen würde.
6. Gesicht
Totenblässe. Gefühl eines Auseinanderdrückens in beiden Jochbeinen. Furchtbarer Druck in den Wangenknochen und im Ohr. Oberlippe brennt nachts und scheint, als würde sie anschwellen.
7. Zähne
Zähne stumpf, wie nach Säure. Zahnschmerz während der Menses. Wurzeln aller l. unteren Zähne schmerzhaft.
8. Mund
Belegte Zunge mit pappigem Geschmack. Prickelndes Stechen am Zungenrand, als ob sich ein Geschwür bilden würde. Starke Ansammlung von Speichel, wie Seife und Wasser. Fader Geschmack im Mund; seine Speisen haben sauren Geschmack. Salziger Geschmack (der Quelle), der Wochen nach dem Gebrauch des Wassers anhält.
9. Hals
Schleim im Hals. Zusammenziehung. Halsdrüsen schwellen an.
11. Magen
Appetit ohne Hunger. Schmerzhafter Hunger, aber sofort gesättigt. Ständiger Durst, sogar am Vormittag. Häufiges Aufstoßen im Freien. Übelkeit mit Ansammlung von Wasser im Mund; eine halbe Stunde nach dem Frühstück. Erbrechen von lederartigem, gelbbraunem Schleim. Übermäßiges Erbrechen und Abführen von schwarzem geronnenem Blut. Schweregefühl und Auftreibung unter der Magengrube. Stiche im Epigastrium, r. Seite.
12. Bauch
Gefühl, als ob alles um die Hüften zu eng wäre, sodass sie gezwungen ist, ihr Kleid zu lockern. Aufgetriebener Bauch. Einklemmung von Blähungen. Enorme Kolik mit heftigen Krämpfen.
13. Stuhl und Anus
Schwellung der hämorrhoidalen Venen. Hämorrhoidaler Fluss reichlicher. Im Rektum: Gefühl von Trockenheit; Ziehen; häufige Stiche; Juckreiz. Häufiger wirkungsloser Drang zum Stuhl. Stühle: lederartig, gelblich braun, diarrhöartig; pappig. Entleerung einer großen Menge schleimiger, galliger Materie, wie Asa foetida riechend (dauerte zwei Wochen bei einem gewöhnlich Verstopften). Schwärzlich-grüne Stühle. Unglaubliche Menge schwärzlich-grüner, verbrannter, klumpiger Fäzes, wie große Schieferstücke, vorangegangen von schwärzlich-grünen Substanzen wie Magenschleim, vorangegangen von kolikartigen Schmerzen und Rumoren im Bauch; der erstere Stuhl erforderte so viel Anstrengung und verursachte so viel Schmerz, dass eine lang anhaltende Schwächeanwandlung folgte (bei einem Patienten mit Darmträgheit). Häufige blutige Stühle; danach hämorrhoidaler Fluss und kein weiteres Bluterbrechen. Abgang von Gallensteinen. Verstopfung. Stuhl ließ sich nur schwer aus dem Rektum herauspressen; gezwungen, die Nates auseinanderzudrücken.
14. Harnorgane
Gefühl von Feuchtigkeit am Meatus urinarius, als ob er Gonorrhö bekommen würde. Juckreiz und Stechen in der Harnröhre, wenn er nicht uriniert. Sand und Grieß im Harn über mehrere Wochen.
15. Männliche Geschlechtsorgane
Ungewöhnlicher Samenerguss nachts.
16. Weibliche Geschlechtsorgane
Reichliche Menstruation; mit Abgang membranöser Konkretionen.
17. Atmungsorgane
Heiserer als gewöhnlich. Häufiges Auswerfen von Schleim.
18. Brust
Engegefühl der Brust. Druck auf der (l.) Brust. Stiche in der l. Brust.
19. Herz
Fülle im Präkordium. Herzklopfen mit Angst. Herzschläge setzen aus. Puls sehr beschleunigt und fieberhaft.
21. Extremitäten
Krampfartiges Gefühl in den Extremitäten, besonders in den Händen, als ob die Arme eingeschlafen wären; heftige Entzündung des Extensor digitorum communis beider Hände bei einem bisher Gelähmten.
22. Obere Extremitäten
Schwäche und Schweregefühl in den Armen. R. Arm ist eingeschlafen und fühlt sich gelähmt an. Schultern schmerzhaft, als ob heißes Wasser darüber gegossen worden wäre. Flaumiges Gefühl in den Fingerspitzen.
23. Untere Extremitäten
Stolpert häufig beim Gehen infolge von Steifigkeit der Gelenke. Zucken in den Extremitäten beim Schreiben. Krampf in der r. Wade und im l. Zeh nachts. Schweregefühl der Füße. Schmerzhaftigkeit, Bohren und Stechen in Hühneraugen.
24. Allgemeines
Zittern des ganzen Körpers. Ungewöhnlich müde nach einem Spaziergang. Unruhe, kann an keinem Ort still liegen. Stiche hier und dort. Pulsation des Körpers, wenn er vollkommen ruhig bleibt.
25. Haut
Gelbfärbung der Haut. Eine drei Monate alte Warze am Finger verschwindet. Juckender Ausschlag an Bauch und Füßen. Juckreiz in den Extremitäten.
26. Schlaf
Häufiges Gähnen. Schlafen am Tage. Erwacht mehrmals nachts mit großer Unruhe. Zucken im Schlaf. Fährt zweimal beim Einschlafen auf, wie durch einen elektrischen Schlag durch den ganzen Körper. Ein Traum folgt dem anderen die ganze Nacht, obwohl er häufig dazwischen erwacht. Traumhafter Schlaf mit verwirrten Träumen. Furchtbare Träume von Mord und Feuer.
27. Fieber
Frösteln beim Gehen, sofort gefolgt von leichtem Schweiß. Fieberfrost, täglich um 10 Uhr vormittags wiederkehrend, aber im Allgemeinen später auftretend. Frösteln und Gänsehaut. Kalte Hände und Füße. Große Hitze nach ein wenig Wein (bei einem, der daran gewöhnt war). Hitzewallungen und leichter Schweiß. Kopf während des Fieberfrosts ständig heiß. Ganzer Körper dampfend vor Schweiß. Ängstlicher Schweiß.