Amylenum Nitrosum.
By John Henry Clarke — Der Neue Clarke – Eine Enzyklopädie für den homöopathischen Praktiker
Amylnitrit. C 5 H 11 NO 2 . Verdünnung mit Alkohol.
Klinisches
Angina pectoris / Erröten / Chorea / klimakterische Wallungen / Epilepsie / Exophthalmus / Wallungen / Kopfschmerz / Herz, Erkrankungen des / Hysterie / Seekrankheit / Sonnenstich
Charakteristika
Das Amylnitrit wurde von der alten Schule als Mittel gegen Angina pectoris in die Medizin eingeführt und sollte, wie man annahm, durch Verminderung der arteriellen Spannung wirken. Dr. G. W. Balfour hat jedoch gezeigt, dass dies nicht immer der Fall sein kann, da Proben, die eine Zeit lang in unvollkommen verschlossenen Flaschen aufbewahrt worden waren, zwar ihre Fähigkeit behielten, Spannung zu lösen, aber keine Wirkung mehr auf den Schmerz hatten. Homöopathische Arzneimittelprüfungen haben gezeigt, dass Amyl nit. jedenfalls in manchen Fällen eine spezifische Wirkung besitzt. Die auffallendste Wirkung des Arzneimittels ist die tiefe Gesichtsrötung, die es hervorruft, und die Pulsation im ganzen Körper. Die spezifischen Herzsymptome sind: Empfindung einer Schwellung der Vorderseite der Brust, als sei sie konvex, mit einem Gefühl, als bilde das untere Ende des Brustbeins eine tiefe, nach der Wirbelsäule hin eingebogene Vertiefung. Präkordiale Angst. Beschleunigtes, verstärktes Schlagen am Herzen. Beklemmung und tumultuarische Tätigkeit. Einschnürung (gelindert durch Cactus) und dumpfer Schmerz. Starker, voller Puls. Andere hervorstechende Symptome sind: Angst, als könne etwas geschehen; muss frische Luft haben. Pochen im Kopf. Gefühl des Berstens in den Ohren. Schmatzen der Lippen, als sei man im Begriff zu kosten. Mampfende Bewegung des Unterkiefers wie beim Kauen. Einschnürung von Hals und Herz infolge wirklichen Schrecks; lief zum Fenster, um Luft zu bekommen. Intensive Fülle im Kopf; Empfindung eines Andrangs zum Scheitel. Augen hervortretend, starrend. Exophthalmischer Kropf nach Kummer. Rötung des Gesichts. Erröten bei der geringsten Gemütsbewegung. Nash hat damit "chronisches Erröten bei der geringsten Erregung, psychisch oder körperlich" geheilt. Hitze, Rötung, Turgeszenz. Erstickungsgefühl; Kragen fühlt sich eng an. Zittern und Schwäche der Extremitäten. > Bewegung im Freien; kaltes Wasser und kalte Luft. < In warmem Zimmer.
Beziehungen
Vergleiche: Glon., Aco., Ether., Cact., Nit. dulc. spir., Laches., Coca (Erröten bei Erregung, wie in Gesellschaft); Bell. Es antidotiert: Chloroform (Aussetzen der Atmung); Strychnin (Konvulsionen). Antidotiert durch: Cactus (kardiale Einschnürung).
1. Gemüt
Angst, als könne etwas geschehen; kann nicht still sitzen; muss frische Luft haben. Psychische Verwirrung und ein tranceartiger Zustand.
2. Kopf
Große Verwirrung des Kopfes, mit Schwindel und Schläfrigkeit. Konvulsionen mit durchdringenden Schreien. Hitze und Pochen im Kopf, mit Gefühl intensiver Fülle bis zum Bersten. Schlagen, Pochen, berstende Empfindung in Kopf und Ohren, mit Einschnürung von Hals und Herz. Sichtbar pulsierendes Pochen in den Schläfen, mit Spannungsgefühl in den Schläfen. Empfindung, als ströme etwas aufwärts, und Pochen im Scheitel. Migräneartiger Kopfschmerz; < l. Seite. Zusammendrücken auf dem Kopf, drohend, Bewusstlosigkeit zu verursachen.
3. Augen
Gegenstände erscheinen erbsengrün oder gelb. Hervortretende, starrende Augen; Bindehaut injiziert. Ziliarneuralgie; Auge injiziert; Gesicht oder Wange übergossen. Sehen verschwommen, schwankend. Arterien der Sehnervenpapille klein, aber die Venen vergrößert und geschlängelt. Schmerzende Augen im Sonnenlicht, Zittern und Schwanken der Gegenstände, Tränenfluss und Niesen.
4. Ohren
Pochen in den Ohren; Bersten; Brennen.
6. Gesicht
Rötung des Gesichts; Gesicht scharlachrot, danach blasser als gewöhnlich. Neuralgie des fünften Nervenpaares. Rötung des Gesichts, gefolgt von Turgeszenz der Gesichtsvenen. Blutandrang zu Gesicht und Kopf; Hitze und Rötung des Gesichts; fühlt sich an, als würde das Blut durch die Haut hervorbrechen, mit Tränenfluss. Schmatzen der Lippen, als ob man schmecke. Mampfende, kauende Bewegung des Unterkiefers.
9. Hals
Erstickungsgefühl im Hals auf jeder Seite der Luftröhre, entlang der Karotiden; Gefühl von Einschnürung. Der Kragen scheint zu eng; Verlangen, ihn zu lockern.
11. Magen
Schluckauf. Übelkeit; mit Trockenheit des Halses. Krampfartige Schmerzen im Epigastrium. Fülle und Druck mit Aufstoßen. Kardialgie. Heißes Brennen im Magen.
12. Bauch
Beklemmung nahe der Leber. Krampfartige, kolikartige Schmerzen; Rumoren.
16. Weibliche Geschlechtsorgane
Kontraktion der Muskeln des Unterbauchs über dem Uterus. Während der Menstruation heftiger Kopfschmerz der l. Seite, morgens beginnend; am heftigsten um Mittag; bis zum Abend anhaltend, mit häufigem Erbrechen. Neuralgie während der Menstruation. Klimakterisches Erröten. Konvulsionen sofort nach der Entbindung.
17. Atmungsorgane
Das Gefühl der Einschnürung im Hals erstreckte sich bis zur Brust und erzeugte Dyspnoe und asthmatisches Gefühl in Kehlkopf und Luftröhre, mit Verlangen aufzustoßen. Asthma. Beschleunigt und vertieft die Atmung. Erstickungsgefühl und Husten in Anfällen von mehreren Minuten.
18. Brust
Gefühl, als liege ein Gewicht auf dem Brustbein. Empfindung einer Schwellung der Vorderseite der Brust, mit einem Gefühl, als bilde das untere Ende des Brustbeins eine tiefe Vertiefung.
19. Herz und Puls
Präkordiale Angst. Heftiges Schlagen des Herzens und der Karotiden (wird bis hinauf in die Ohren gefühlt); mit Gefühl von Einschnürung. Beschleunigte Herztätigkeit. Flattern des Herzens bei der geringsten Erregung. Kardiale Beklemmung und tumultuarische Herztätigkeit. Das Herz hat eine unregelmäßige, rumorenartige Art von Geräusch. Dumpfer Schmerz und Einschnürung um das Herz. Puls beschleunigt, voll, hart; in sehr wechselndem Grade beschleunigt; unregelmäßig, ruckartig. Angina pectoris, mit großer Qual. Präkordialer Schmerz, zum r. Arm ausstrahlend.
21. Extremitäten
Müdes Gefühl der Extremitäten. Venen erweitern sich.
22. Obere Extremitäten
Die rechte Schulter, das Schulterblatt und der Arm scheinen sehr stark mit der Herzgegend zu sympathisieren. Die Hände von Kindern in Konvulsionen zittern und greifen nach eingebildeten Gegenständen; starkes Zittern und Taubheitsgefühl in den Händen.
24. Allgemeines
Allgemeines erschlafftes, schwaches Gefühl über den ganzen Körper. Bei Chorea scheint jeder Muskel im Körper in Bewegung zu sein. Aufeinanderfolge von Krämpfen, die immer rascher kommen, bis schließlich kaum einer endet, ehe ein anderer beginnt. Nach einer ausgedehnten Verbrennung wurde Trismus, mit grässlichem tetanischem Grinsen, ausgeprägtem Opisthotonus und unterbrochenem Schlucken, durch Inhalation geheilt. Kann Wärme nicht ertragen, muss jede Bedeckung abwerfen und Türen und Fenster öffnen, selbst bei kaltem Wetter. Bei Konvulsionen werden die Muskeln starr. Heilt einige Formen der Seekrankheit.
26. Schlaf
Im Koma, während eines bewusstlosen Zustandes, tiefes und wiederholtes Gähnen. Erwachen mit häufigem Auffahren und fühlt sich morgens unerfrischt.
27. Fieber
Frösteln und Kriebeln wiederholt, Gesicht den ganzen Tag bleich. Viele Hitzewallungen, während sich einige Körperteile brennend heiß anfühlen. Manchmal wird die Haut nach den Wallungen kalt und klamm. Hitzen werden oft von reichlichen Schweißen gefolgt. Pochen durch den ganzen Körper begleitet häufig diese Hitzen, denen starke Erschöpfung folgt.