Aceticum Acidum

von John Henry ClarkeDer Neue Clarke – Eine Enzyklopädie für den homöopathischen Praktiker

Eisessig. HC 2 H 3 O 2 . (Für die Verdünnungen 1x und 1 wird destilliertes Wasser verwendet; sehr verdünnter Spiritus für 3x und bis 4; rektifizierter Spiritus für 5 und höher.)

Klinisches

Anämie / Anästhetika, Gegenmittel gegen / Askariden / Verbrennungen / Hühneraugen / Krupp / Schwäche / Diabetes / Diphtherie / Wassersuchten / Fieber / Hydrophobie / Nävi / Narkotika, Gegenmittel gegen / Phthise / Wurstvergiftung, Gegenmittel gegen / Verbrühungen / Stiche / Magen, Krebs des / Varikosis / Warzen

Charakteristika

Die führenden Züge der Essigsäure sind übermäßige Abmagerung und Schwäche; Anämie mit wachsbleicher Gesichtsfarbe; heftiger Durst; Brennen im Hals; Übelkeit, Würgen und saures Aufstoßen, wie man es in Fällen von Krebs und Schwäche findet. Es bestehen nagende, ulzerative Schmerzen im Magen; Schmerz und Brennen im Bauch. Reichliche, erschöpfende Diarrhö. Sie wurde bei Diabetes angewandt. Sie entspricht fauligen und hektischen Fiebern mit Nachtschweißen; Hämorrhagien, varikösen Schwellungen und Wassersuchten. Als Typus der Wirkungen von Essig kann Folgendes erwähnt werden: Eine wohlgenährte, blühend aussehende junge Frau nahm täglich ein kleines Glas, um an Umfang abzunehmen. Bald verlor sie Fleisch und Farbe. Nach einem Monat stellte sich Husten ein, mit weißem, reifem Schleim, Fieber, Dyspnö, Nachtschweißen, Appetitlosigkeit, Wassersucht, Diarrhö, Tod. Die Lungen wurden nach dem Tod mit nicht eiternden Tuberkeln vollgestopft gefunden. Ein junger Deutscher war nach zwölfmonatiger Arbeit in einer Essigfabrik gezwungen, wegen Verdauungsstörung, Dyspnö und rascher Ermüdung aufzuhören. Es passt zu Kindern und alten Menschen; zu schlaffen, bleichen, mageren Personen. (Gleiche Teile Essig und heißes Wasser ergeben eine erfrischende Abwaschung mit dem Schwamm für viele Fieberzustände, mit oder ohne Schweiß.)

Beziehungen

Vergleiche: Apis, Ars. (doch Acet. ac. hat stärker überwiegende Magensymptome als eines von beiden); Carbol. ac., Lac. defl., Lact. ac., Uran. nit. Große Dosen von Acet. ac. werden am besten durch Magnesia oder Calcarea antidotiert, entweder als flüssige Magnesia oder als Kalkwasser. Gegenmittel gegen Potenzen sind: bei niederdrückendem, qualvollem Gefühl Tabac., Acon.; bei Magen-, Lungen- und Fiebersymptomen Nat. m., und danach Sep. Es antidotiert: Anästhetika, Acon., Asar., Coffea, Euphorb., Ignat., Opium, Plumb. (Kolik), Sep., Stram., Tabac. Es wirkt entgegen Wurstvergiftung. Es verschlimmert die Wirkungen von Bell., Merc., Arn., Lach. Unverträglich nach Gabe von Borax, Caust., Nux v., Ran. b., Sars.: Scilla, Colch. und Sang. haben bei der Heilung mancher Krankheiten mehr Wirkung, wenn sie mit Acet. ac. statt mit Alkohol zubereitet sind.

1. Gemüt

Sehr stumpf und niedergeschlagen; reizbar. Wechsel von Stupor und Delirium. Verwirrung der Vorstellungen. Grämt sich sehr; seufzt häufig. Schreckliche Angstanfälle mit erschwertem Atmen. Schwindel mit Schwäche und Ohnmacht.

2. Kopf

Schweregefühl und dumpfe Schmerzen in Stirn und Scheitel. Kopfschmerz nach Missbrauch von Tabak, Opium, Kaffee oder Alkohol.

5. Nase

Neigung zu häufigen katarrhalischen Anfällen. Nasenbluten, bes. nach einem Sturz oder Schlag.

6. Gesicht

Wilder Ausdruck, Pupillen erweitert. Gesicht bleich, wächsern, abgemagert. Linke Wange (bes.) während des Fiebers sehr rot. Leuchtend rote Röte auf beiden Wangen. Schweiß auf der Stirn in Flecken.

8. Mund

Zähne fühlen sich stumpf an, Atem übel. Skorbutische Geschwüre; Zahnschmerz. Geschmack sauer. Epithel des Mundes ganz weiß. Zunge bleich und schlaff.

9. Hals

Kinder sind durstig, schlucken aber selbst einen Teelöffel Wasser nur mit Mühe. Weiße Pseudomembranen im Hals.

11. Magen

Unstillbarer brennender Durst. Schreit nachts nach Wasser. Heftiger Durst; Übelkeit und häufiges Erbrechen. Abscheu vor gesalzenen Dingen und kalter Kost. Kalte Getränke liegen schwer im Magen. Gemüse, außer Kartoffeln, wird nicht vertragen, ebenso Brot und Butter noch weniger. Der Mageninhalt fühlt sich an, als sei er in Gärung; heftiger brennender Schmerz im Magen und in der Brust, gefolgt von Kälte der Haut und kaltem Schweiß auf der Stirn. Verhärtungen im Magen. Skirrhus des Pylorus.

12. Bauch

Auftreibung des Bauches; kolikartige Schmerzen. Aszites. Der Bauch fühlt sich an, als sei er eingesunken, wenn er auf dem Rücken liegt.

13. Stuhl und Anus

Diarrhö, mit starkem Durst, Trinken großer Mengen bei scheinbarer Straflosigkeit. Diarrhö, mit Schwellung der Beine und Füße (phthisische Personen). Diarrhö, mit kolikartigen Schmerzen und Druckempfindlichkeit des Bauches. Hämorrhagie aus dem Darm. Chronische Verstopfung. Askariden. Chronische Diarrhö der Kinder mit großer Abmagerung. Verstopfung, mit starkem Durst und übermäßigem blassem Harn.

14. Harnorgane

Harn der Menge nach vermehrt; bleich; phosphatisch; Diabetes, mit heftigem, brennendem, endlosem und unlöschbarem Durst und großer Schwäche.

15. Männliche Geschlechtsorgane

Schwächende Samenergüsse; Samen geht beim Stuhl ab. Vorhaut verdickt, rissig, kann nicht zurückgezogen werden und juckt furchtbar. Sexuelle Leidenschaft, aber schwache Erektion.

16. Weibliche Geschlechtsorgane

Metrorrhagie; nach der Geburt, mit starkem Durst.

17. Atmungsorgane

Heiser, mit Reizung des Kehlkopfs. Schleimhaut von Kehlkopf und Luftröhre mit einem fibrinösen Exsudat bedeckt wie bei echtem Krupp. Zischende Atmung, mit Rasseln im Hals. Kruppartiger Husten; ein hohler Klang bei jedem Einatmen. Hämoptyse.

20. Rücken

Myelitis, mit reichlichem Harn; der Schmerz im Rücken wird nur durch Liegen auf dem Bauch gelindert.

21. Extremitäten

Ödematöse Schwellung der Füße und Beine.

24. Allgemeines

Konvulsionen. Springt wie ein Wahnsinniger aus dem Bett und kriecht auf dem Boden, vor Schmerz heulend. Große Abmagerung. Haut bleich und wächsern. Allgemeine Anasarka und wassersüchtige Affektionen. Brennen in inneren und äußeren Teilen.

25. Haut

Sugillationen. Flechtenartige Ausschläge. Nävi; Warzen; Hühneraugen.

26. Schlaf

Schlaflos.

27. Fieber

Haut kalt. Langsames Fieber mit Nachtschweißen. Reichliche Schweißabsonderung. Hektisch. Faulige und typhöse Fieber.

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