Aranea diadema
von E. A. Farrington — Klinische Arzneimittellehre
Historische Referenz für Behandelnde und Studierende. Die nachstehenden Aussagen spiegeln die homöopathische Lehre des genannten Autors wider und belegen keine Wirksamkeit einer Behandlung. Dieser Text stellt keine medizinische Beratung dar und darf eine angemessene Diagnose oder Behandlung nicht ersetzen.
Grauvogl empfahl Aranea als eines der Mittel für die von ihm sogenannte hydrogenoide Konstitution, eine Konstitution, die Feuchtigkeit nicht verträgt. Unter Aranea sind sämtliche Symptome bei feuchter Witterung oder durch den Aufenthalt an feuchten Orten schlimmer. Dies gilt besonders für das, was man als chronisches Wechselfieber bezeichnen kann; hierfür ist Aranea angezeigt, wenn sich die Symptome bei jedem Umschlag zu feuchter Witterung verschlimmern. An einem sonnigen Tag kann sich der Patient sehr wohl fühlen, doch sobald es feucht wird, erkrankt er. Während dieser Verschlimmerung klagt er über Frösteln, gefolgt von wenig oder gar keinem Fieber. Der Frost ist gewöhnlich typisch und tritt jeden zweiten Tag, jede Woche oder in einem anderen regelmäßigen Zeitraum stets zur selben Stunde auf. Ferner findet man eine vergrößerte Milz und eine Neigung des Patienten zu Blutungen. Der Patient kann zuvor mit Chinin behandelt worden sein oder auch nicht.
Cinchona und Chininum sulphuricum sind Aranea diadema hinsichtlich der periodischen Wiederkehr der Symptome beide sehr ähnlich. Beide sind bei geschwollener Milz sowie bei Wechselfieber infolge des Aufenthalts an feuchten Orten usw. angezeigt.
Cedron, von dem behauptet worden ist, es könne den Biss der Klapperschlange lindern und die Tollwut mildern, kann ebenfalls als Analogon von Aranea diadema und überhaupt der Spinnengifte betrachtet werden. Es soll bei nervösen, erregbaren und sogar sinnlich veranlagten Patienten, besonders bei Frauen, am besten wirken. Die fieberhaften und neuralgischen Symptome kehren mit uhrwerkartiger Regelmäßigkeit wieder. Es wird bei Wechselfieber angewendet, das man sich in warmen Ländern oder in tief gelegenen Sumpfgebieten zugezogen hat; in letzterer Hinsicht weist es eine gewisse Ähnlichkeit mit Aranea auf. Das erstgenannte Mittel hat jedoch hauptsächlich in heißen Klimazonen Ansehen gewonnen, während das letztgenannte bei Frostanfällen gut wirkt, die man sich an kalten, feuchten Orten zugezogen hat. Der Frost überwiegt; die Hitze ist gering oder fehlt. Bei Cedron dagegen bestehen Stauung zum Kopf, flüchtige Hitze im Gesicht im Wechsel mit Frost sowie trockene Hitze bei vollem, schnellem Puls.
Aranea heilt auch Diarrhöe, und diese Patienten leiden häufig an dieser Störung. Der Stuhl ist wässrig und mit starkem Rumoren im Darm verbunden, als ob darin eine beträchtliche Gärung vor sich ginge. Der Schlaf ist unruhig, und beim Erwachen zeigt der Patient ein Symptom, das allen auf die zerebrospinalen Nerven wirkenden Arzneien recht häufig zukommt: Ein Körperteil fühlt sich an, als wäre er geschwollen. So fühlen sich etwa beim Erwachen aus dem Schlaf die Arme oder Hände an, als wären sie ungeheuer groß, weit größer als normal.
Aranea ist bei Zahnschmerzen nützlich, besonders wenn sie bei feuchter Witterung und auch sobald der Patient zu Bett geht schlimmer sind. Hier erinnert es an Mercurius.
Es gibt ein Symptom von Aranea, das ich in der Praxis noch nicht zu beobachten Gelegenheit hatte, nämlich ein Taubheitsgefühl in den vom N. ulnaris versorgten Partien.
Aranea greift auch die Knochen an. Es ist besonders bei Erkrankungen des Os calcis angezeigt, wenn der Patient über bohrende, wühlende Schmerzen in diesem Knochen klagt. Diese können auf einer einfachen Periostitis beruhen oder mit Karies verbunden sein. Bisweilen besteht eine Empfindung, als fühlten sich die Knochen wie Eis an. Dies ist rein subjektiv.