Stramonium
By James Tyler Kent — Vorlesungen über homöopathische Arzneimittellehre
Gemüt
Wenn man Stram. betrachtet, drängt sich der Gedanke an Heftigkeit auf.
Man kann einen Patienten, der Stram. braucht oder damit vergiftet worden ist, nicht ansehen, ohne über den gewaltigen Aufruhr, die große Umwälzung in Geist und Körper zu staunen.
Voller Erregung, Wut, alles ist aufgewühlt, heftig; das Gesicht sieht wild, ängstlich, furchtsam aus; die Augen sind auf einen bestimmten Gegenstand fixiert; Gesicht gerötet, heißes rasendes Fieber mit heißem Kopf und kalten Extremitäten, heftiges Delir. In seiner Angst wendet er sich oft vom Licht ab, will es dunkel haben, wird besonders verschlimmert, wenn das Licht hell ist.
Hohes Fieber mit Delir; die Hitze ist so intensiv, dass sie mit Bell ., verwechselt werden kann, doch handelt es sich gewöhnlich um ein anhaltendes Fieber, nur zuweilen remittierend, während das heftige Fieber von Bell . immer remittierend ist.
Stram. gleicht in seiner Heftigkeit einem Erdbeben. Das Gemüt ist im Aufruhr; Fluchen, Zerreißen der Kleider, heftiges Reden, Raserei, Erotomanie, Entblößen der Person. Diese Symptome finden sich bei anhaltenden Fiebern, Geisteskrankheit, zerebralem Blutandrang. Es ist nützlich bei heftigen Typhuszuständen.
Es ist nützlich bei Manie, die schon einige Zeit besteht; Anfälle von Manie, die paroxysmenweise auftreten, mit mehr oder weniger plötzlichem Beginn, so dass ein einzelner Anfall wie Bell ., aussehen würde, doch die Anamnese unterscheidet. Bell . wäre im ersten Anfall kaum mehr als ein Palliativ, und die zweite Gabe davon würde nichts mehr ausrichten.
Wenn das Delir nicht besteht, macht der Patient den Eindruck großen Leidens, Stirn gerunzelt, Gesicht bleich, kränklich, eingefallen. Bei Kopfschmerzen dieser ängstliche Blick, der auf intensives Leiden durch meningeale Beteiligung hinweist.
"Delir mild, murmelnd; heftig, töricht, freudig, redselig, unzusammenhängendes Schwatzen bei offenen Augen; lebhaft; heiter, mit krampfartigem Lachen; wütend, rasend, wild; versucht zu stechen und zu beißen; mit den sonderbarsten Vorstellungen; mit sexueller Erregung; Furcht, als ob ihn ein Hund angreifen würde."
Seltsame Vorstellungen über die Gestalt seines Körpers, dass er missgestaltet, verlängert, deformiert sei; seltsame Empfindungen hinsichtlich seines körperlichen Zustandes. Alle Arten von Illusionen und Halluzinationen. Man muss zwischen diesen Zuständen unterscheiden. Eine Illusion ist eine Erscheinung im Gesichtsfeld oder im Geist, von der der Patient weiß, dass sie nicht wahr ist.
Eine Halluzination ist ein Zustand, der wahr zu sein scheint. Eine Wahnidee ist ein weiter fortgeschrittener Zustand, wenn der Patient sie für wahr hält und sich nicht davon abbringen lässt. Furcht und große Angst beim Hören fließenden Wassers.
Er sieht Tiere, Gespenster, Engel, Geister Verstorbener, Teufel und weiß, dass sie nicht wirklich sind, später aber ist er davon überzeugt. Diese Halluzinationen hat er besonders im Dunkeln. Zeitweise hat er eine schmerzhafte Abneigung gegen helles Licht, und dann wieder muss er sitzen und in ein offenes Feuer schauen, doch dies kann Husten und andere Symptome hervorrufen.
"Singt Liebeslieder und stößt obszöne Reden aus.
Vor Not wie verrückt springt er aus dem Bett, handelt, als würde das Bett unter ihm weggezogen.
Schreit, bis er heiser wird oder die Stimme verliert.
Kreischt und schreit Tag und Nacht mit Fieber, bei Formen der Manie.
Hastig, eilt er mit aller Kraft, wenn er an einen anderen Ort will."
Heftiges Lachen mit sardonischem Ausdruck im Gesicht.
"Das Kind erwacht erschreckt, kennt niemanden, schreit vor Furcht, klammert sich an die Nächststehenden."
Hyosc. hat wildes manisches Delir, aber mit sehr wenig Fieber. Bei Stram. besteht beträchtliches Fieber. Bei Bell . fällt das Fieber auf Nachmittag und Abend, von 9 Uhr abends bis 3 Uhr morgens, und dann kommt eine Remission.
Heftige Konvulsionen, an denen jeder Muskel des Körpers beteiligt ist, Opisthotonus, heftige Verziehungen, Kontraktion der Extremitäten, Beißen auf die Zunge und Blutungen aus den Körperöffnungen. Während der Krämpfe mit kaltem Schweiß bedeckt; mitunter beinahe so kalt wie Eis; kalter Schweiß bei Manie; dieses Merkmal wird nur von Camphor erreicht.
Lang bestehende hysterische Krämpfe, verbunden mit spinalen Beschwerden; schlimmer durch Schreck. Krämpfe bei nervösen, erregbaren Menschen, ausgelöst durch Schreck.
Wochenbettkrämpfe und Irresein. Es hat einen septischen Charakter. Solche Fälle verlaufen eine Zeitlang melancholisch, mit gedrückter Stimmung; sie glaubt, ihren Gnadentag versündigt zu haben, und hat doch ein rechtschaffenes Leben geführt; traurig; stellt sich seltsame Dinge vor, tut seltsame Dinge, bis schließlich heftiges Delir auftritt; sie schreit laut; ermahnt die Leute zur Reue; Gesicht rot und die Augen funkelnd; sie ermahnt und betet in unzusammenhängender Rede. In solchen Fällen sollte Stram. mit Veratr. verglichen werden.
Bei zerebralem Blutandrang sinkt das Delir in Bewusstlosigkeit ab; der Patient macht den Eindruck tiefer Intoxikation; die Pupillen erweitert oder verengt (bei Bell . sind sie erweitert).
Ausgeprägter Stupor, stertoröse Atmung, Unterkiefer herabgesunken. So auch bei Typhus und den niederen Fieberformen, Foetor, aus Mund und anderen Körperöffnungen sickerndes Blut.
Hals und Mund trocken, Zunge trocken, geschwollen, so dass sie den Mund ausfüllt, spitz, rot wie ein Stück Fleisch, Blutung aus dem Mund, Sordes an den Zähnen, Lippen trocken und rissig; zeitweise heftiger Durst, dabei doch Scheu vor Wasser.
Reichliche, unwillkürliche Diarrhöe; tympanitischer Bauch, unwillkürlicher Harnabgang.
Basilar-Meningitis nach unterdrücktem Ohrenausfluss. Die alte Schule hat für solche Fälle kein Mittel. Stirn gerunzelt, Augen glasig, starr, erweiterte Pupillen und kaum Fieber; entsetzlicher Schmerz durch die Schädelbasis hindurch, und in der Gegend des Ohres besteht eine Vorgeschichte von Nekrose.
Heftiger Kopfschmerz vom Gehen in der Sonne und von der Sonnenhitze. Den ganzen Tag verschlimmert, und nachts muss der Patient sich aufsetzen, weil der Schmerz beim Liegen zunimmt; schlimmer von jeder Bewegung und von Erschütterung; Augen starr und glasig, Gesicht gerötet, später aber bleich, die Augen unbeweglich auf eine Ecke des Zimmers gerichtet; Delir, sagt seltsame Dinge. Schmerz im Hinterhaupt.
Hochgradige Entzündung, die bis zum Ende fortschreitet. Eiter bildet sich, Abszesse mit entsetzlichen Schmerzen ( Hepar, Merc., Sil., Sulph .). Heftige katarrhalische Entzündungen, bösartige, septische Zustände. Chronische Abszesse, Karbunkel, Furunkel, Abszesse in den Gelenken, das linke Hüftgelenk ist eine besondere Lokalisation. Man wird einen Fall von Hüftgelenkserkrankung oft im Anfang zum Stillstand bringen können, und selbst wenn Eiter vorhanden ist oder sich Fistelöffnungen gebildet haben, ist es sehr nützlich. Schwellung, Eiterung und Schmerzen in den Knorpeln.
Stram. steht unter den tief wirkenden Arzneien wegen der Heftigkeit seiner psychischen Symptome allein da. Stram. heilt Augenbeschwerden und Reizung des Gehirns durch Überanstrengung beim Studium; bei Studenten, die gezwungen sind, viel nachts zu arbeiten, um mit den Vorlesungen am Tage Schritt zu halten. Der Patient scheint fast blind zu sein; es besteht viel Schmerz in den Augen bei schwachem Licht, gelindert durch intensives Licht. Die psychischen Symptome, Husten, Kopfschmerz usw. sind schlimmer durch Licht.
"Trockenheit von Hals und Rachenenge, durch keinerlei Art von Getränk gebessert.
Schlucken schwierig und behindert, mit stechenden Schmerzen im Hals, mit Schmerzen in den Submandibulardrüsen, mit Konvulsionen; besonders bei Flüssigkeiten infolge Einschnürung des Halses."
Erstickungsgefühl beim Versuch, Wasser zu schlucken. Es hat bei Hydrophobie gute Dienste getan. ( Hyosc., Bell., Canth., Hydroph .)
Bei alten Fällen von Eiterung der Lungen, bei denen der Husten schlimmer wird durch Blicken ins Licht, ist Stram. oft ein großes Palliativ und verursacht keine Verschlimmerung.
Harnverhaltung, er kann den Harn nicht entleeren, wenn er aufhört zu pressen; alte Männer, die die Kontrolle über die Harnblase verloren haben, der Strahl fließt langsam, sie können ihn nicht beschleunigen.
Herzleiden mit großer Einschnürung der Brust, psychischer Reizbarkeit, Wahnideen hinsichtlich der eigenen Identität, Unfähigkeit, im Dunkeln zu schlafen, große Angst, wenn er im Zug durch einen Tunnel fährt, Puls unregelmäßig, Herz schwach.
Schlaf voller Träume und Unruhe.