Podophyllum
By James Tyler Kent — Vorlesungen über homöopathische Arzneimittellehre
Dieses Mittel wird außer bei akuten Affektionen selten angewendet, ist aber ein lang und tief wirkendes Arzneimittel; es übt einen starken Eindruck auf den Organismus aus; es bezieht sich auf tiefsitzende Miasmen.
Bauch
Es wirkt tiefgreifend auf die abdominalen Eingeweide. Es zeigt seine Symptome vor allem an den Bauchorganen, den Beckenorganen und der Leber. Der Bauch scheint der früheste Sitz des Angriffs zu sein. Es übt auf Magen und Darmkanal einen solchen Eindruck aus, daß die gesunde Funktion beeinträchtigt wird, Verdauung und Assimilation aufhören.
Alles, was in den Magen aufgenommen wird, wird sauer. Die Drüsen des Magens sind wie gelähmt; es findet keine Verdauung statt; dies geht so weiter, bis es zu Erbrechen und Diarrhöe kommt. Dabei besteht eine erstaunliche Unruhe im Bauch; Rumoren; Gurgeln, als ob Tiere darin herumplätscherten; klinisch, als ob Fische in einem Teich sich wendeten und überschlugen, wie wir es vor einem Sturm gesehen haben.
Rumoren und Kollern. Damit gehen heftige krampfartige Schmerzen einher, die sie zusammenkrümmen. Der Bauch ist empfindlich; so wund, daß sie Druck nicht ertragen kann. Die Wundheit erstreckt sich auf den Magen, den Darm und schließlich auf die Leber. Die gesamten abdominalen Eingeweide sind wund, druckempfindlich. Danach folgt ein gurgelnder, wässriger Stuhl, der aus dem Anus herausströmt.
Eine gewaltige Entleerung, so daß der Patient sich fragt, wo all die Flüssigkeit herkommt, und bald setzt sie wieder ein. Reichlich, enorm und sehr häufig. Diese Wundheit, die Krämpfe und das Rumoren gehen dem Stuhl voraus, manchmal dauern sie aber auch während des Stuhls an. Gewöhnlich wird der Patient durch den Stuhl gelindert. Es besteht viel Blähungsabgang und Spritzen, aber nicht so ausgeprägt wie bei Aloe.
Die Kolik kommt oft und geht wieder ohne Stuhl. Schmerzlose Stühle; vergleiche hierbei China, wo der Stuhl nachts und nach dem Essen einsetzt. Faulig oder nicht, und von tintenschwarzer Farbe. Podophyllum ist selten angezeigt, wenn die Entleerung nicht übelriechend ist. Nach einer Weile wird der Bauch wieder stürmisch bewegt, und dies wird wiederum durch einen Stuhl gelindert.
Dieser Vorgang wiederholt sich immer wieder. Es scheint, als entleerten sich die Blutgefäße in die Bauchhöhle und dann nach außen in die Welt. Nicht unähnlich der Cholera und der Cholera morbus, und diese beiden sind die gewöhnlichen Krankheitsformen, bei denen dieses Mittel in der Routinepraxis verwendet wird. Die Cholera morbus, die in der zweiten Nachthälfte einsetzt, besonders gegen 3, 4 oder 5 Uhr, ähnelt Podophyllum. Stürmische Darmtätigkeit mit Rumoren, Schmerz und Wundheit, und die Erschöpfung ist so ausgeprägt, daß es, wenn nicht binnen ein oder zwei Tagen Linderung eintritt, scheint, als müsse er sterben. Reiswasserstühle, die beim Stehen geleeartig werden.
Frauen: Bei dieser stürmischen Darmtätigkeit hat sie ein unbeschreibliches Gefühl; ein Gefühl völliger Hinfälligkeit, ein todeskrankes Gefühl, von manchen als Leere beschrieben, wie beim Fasten, und doch mit Abneigung gegen Nahrung. Eine entsetzliche, hungrige, leere Schwäche, als ob der ganze Darm herausfallen würde.
Kein Wunder, daß sie das meinen, denn dieses Mittel erzeugt ein erstaunliches Maß an Erschlaffung. Von manchen als Senkungsgefühl beschrieben. Die Bänder der Gebärmutter erschlaffen, und es kommt zum Prolaps. Das Rektum tritt mehrere Zoll weit hervor. Das Senkungsgefühl, als ob alle Teile in die Außenwelt hinausgedrückt würden, ist ein häufiges Merkmal. Es scheint mit der Leber zu beginnen, als ob alle Teile nach unten gesenkt würden. Schwäche verbunden mit Wundheit.
Senkungsgefühl in der Gegend des Eierstocks, und der Eierstock ist kongestiv. Die Gebärmutter ist äußerst wund und vergrößert; berührungsempfindlich, so daß leichte Kleidung verschlimmert. Empfindlichkeit des Bauches bei Diarrhöe und Erbrechen; bei Cholera morbus; bei Frauen während der Menstruation. Angezeigt, wenn während der Menstruationsperiode eine reichliche Diarrhöe besteht und große Wundheit der Gebärmutter. Viel Schmerz in den Eierstöcken, in einem oder beiden, bis in die Schenkelgegend, bis an die Vorderseite des Oberschenkels hinabziehend.
Schmerz in den Eierstöcken, besonders im rechten; Schmerz in den Eierstöcken während der Menstruationsperiode, kneifender Schmerz im Darm während der Menstruationsperiode. Große Wundheit des Bauches vor und während der Menstruationsperiode. ( Apis, Cimicifuga, Vespa, Lachesis , doch haben diese weniger wahrscheinlich Diarrhöe, und wenn doch, dann nicht so reichlich.)
Diarrhöe: Wechselnde Zustände sind ein Merkmal dieses Mittels. Wenn ein Podophyllum-Patient sich erkältet, irgendeine psychische Erregung hat, sich überanstrengt, gekochte Speisen, Kohl, Früchte ißt und seinen Magen mit reichlicher Nahrung überlädt, bekommt er eine Diarrhöe, und darauf folgt eine wochenlang anhaltende Verstopfung, kein Stuhl außer in Klumpen; schwieriger, spärlicher Stuhl, und sobald er sich den Magen wieder verdirbt, kommt erneut eine Diarrhöe. Dieser Wechsel von Diarrhöe und Verstopfung ist ein Podophyllum-Zustand eher als eine chronische Diarrhöe, die als fortgesetzter Zustand bei vielen Mitteln vorkommt. Die Diarrhöe ist periodisch und wechselt mit Verstopfung.
Kopfschmerz: Ein weiteres Wechselmerkmal ist der Kopfschmerz.
Chronischer Kopfschmerz, periodischer Kopfschmerz, Migräne, kongestiven Charakters, als ob alles Blut im Kopf wäre, als ob der Kopf bersten würde, und die Schmerzen am heftigsten im Hinterkopf, berstend, und dann kommt eine Diarrhöe, die den Kopf erleichtert.
Manchmal ist ein Kopfschmerz die Folge, wenn die Diarrhöe zu plötzlich nachläßt. Es ist ein häufiges Merkmal, daß nach Gabe einer hohen Potenz von Podophyllum bei einer Diarrhöe Kopfschmerz auftritt, nachdem die Diarrhöe gestoppt ist. Das bedeutet, daß das Mittel plötzlich gewirkt hat, und der Kopfschmerz wird bald vergehen.
Kopfschmerz im Wechsel mit Leberstörungen. Der Patient liegt auf der Seite oder dem Bauch. Reißende Schmerzen nach dem Duodenum hin. Man wird sich fragen, ob es nicht Gallensteinkolik ist. Periodische, heftige Kopfschmerzen; wechselnde Diarrhöe und Verstopfung; er streicht die Lebergegend von hinten nach vorn und erhält dadurch Linderung, doch ist die Leber so wund, daß er den Druck kaum ertragen kann.
Leber berührungsempfindlich.
Wundheit um die Leber; Schmerz bis in den Rücken; dumpf schmerzender Schmerz, schließlich Gelbsucht; wird äußerst gelb. Unruhe und Beklemmung etwa zwei oder drei Stunden nach dem Essen, mit Gelbsucht; schreckliche Übelkeit; Abneigung gegen Nahrung; leeres, völlig hinfälliges Gefühl im Darm.
Erbrechen, grünlich, reichlich, wässrig, erbricht alles; Erbrechen von Milch ( Calc., Aeth . - letzteres behält manchmal Wasser bei sich); Hunger nach dem Erbrechen; todeskrank machende, überwältigende Übelkeit und Erschöpfung. Vorfall von Rektum und Anus während des Erbrechens. ( Mur. ac .). Ein Zustand, der gewöhnlich Duodenalkatarrh genannt wird; ein chronischer Zustand; bricht von Zeit zu Zeit in eine Podophyllum-Diarrhöe aus.
Psychische Symptome sind lästig.
Eine träge Leber ist oft verbunden mit einem trägen, wechselnden Geisteszustand; außerdem ein langsamer, träger Puls; Herzklopfen. Starke Niedergeschlagenheit der Stimmung, Melancholie, Traurigkeit, Mutlosigkeit; alles geht schief; die Wolken sind sehr dunkel; es gibt kein Licht; meint, er könne sterben oder werde krank werden; daß seine Krankheit chronisch werde; daß er eine organische Krankheit des Herzens und der Leber habe; daß er seinen Gnadentag versündigt habe, und andere derartige Wahnvorstellungen. Der Geist ermüdet leicht; fahrig und unruhig; kann nicht stillsitzen, der ganze Körper ist zappelig.
In diesem psychischen Zustand mit Gelbsucht, Gefühl völliger Hinfälligkeit, Abneigung gegen Nahrung, selbst schon beim Gedanken oder Geruch von Nahrung; Völlegefühl und Aufblähung in der Lebergegend. Die Zunge ist mit dickem Schleim bedeckt; teigiger, gelber Belag, als sei Senf darauf gestrichen; Abdruck der Zähne auf der Zunge; übler Atem. Für einen solchen Zustand gaben die Alten Calomel.
Gallensteinkolik; Vergrößerung der Leber; Magenschwäche; unfähig zu verdauen; Duodenalkatarrh; Darmkatarrh mit reichlicher Diarrhöe. Wenn Sie die Podophyllum-Entleerung im Nachtgeschirr betrachten, sehen Sie eine große Menge Wasser, am Boden ein Sediment wie Maismehlsuppe; als sei Maismehl eingerührt worden. Wenn man sie früh sieht, ist sie gelb, trübe oder gelbgrün, reichlich, übelriechend, leichenhaft; der Geruch durchdringt das ganze Haus; der Stuhl schießt heraus wie Wasser aus einem Spundloch; Gurgeln und viel Blähungsabgang.
Mit dem Stuhl kommt sehr häufig ein Vorfall des Rektums; ein Schwall wässrigen Stuhls und ein Vorfall des Rektums; ein weicher Stuhl mit starkem Pressen und einem Vorfall des Rektums.
Prolapsus der Gebärmutter; besonders hervorzuheben sind Murex, Sepia, Natrum mur. Sepia ist besser im Sitzen oder Liegen; schlimmer beim Gehen. Abneigung gegen Koitus; Hitzewallungen; Verstopfung mit dem Gefühl eines Klumpens im Rektum, oder besser durch Stuhl. Murex hat folgendes: Die einzige Erleichterung besteht darin, auf die Vulva zu drücken; nicht besser im Liegen; dann hat sie Schmerzen im Rücken und in den Hüften, die sie zum Gehen zwingen, und doch verschlimmert dies. Starker Geschlechtstrieb. Schmerz im rechten Eierstock, der quer durch den ganzen Körper bis zur linken Brust zieht. Einschießender Schmerz nach oben in der Gebärmutter.
Das Wort Galle ist ein auffallendes Merkmal bei Podophyllum. Man muß Erbrechen und Stuhl mit dieser Farbe in Verbindung bringen. Der Patient erklärt, er sei "gallig; seine Leber sei in Unordnung;" bitterer Geschmack im Mund; spuckt Galle hoch, und die Farbe ist gelb; bei Diarrhöe ist es eine grüne Substanz.
Bei Kindern, die zu reichlicher Diarrhöe neigen, mit Prolaps des Anus und ohne weiteres Symptom, heilt Podophyllum oft.
Ein Merkmal des Säuglingsalters ist folgendes: Das Kind braucht keine Diarrhöe zu haben, kann sogar verstopft sein, aber es liegt im Bett und rollt im Schlaf den Kopf. Bell. und Apis rollen den Kopf.
Apis liegt auf dem Rücken, mit dem Kopf auf die Seite geneigt. Kaubewegung der Kiefer; manchmal ein Saugen; Zähneknirschen bei denjenigen, die älter sind und Zähne haben; Rollen des Kopfes von Seite zu Seite; wenn man die Augenlider anhebt, findet man ein Schielen.
Arzneiprüfer fühlten, als ob die Augen nach innen gezogen würden. Es hat ein solches Schielen bei Gehirnkongestion nach plötzlich unterdrückter Diarrhöe geheilt.
Ein Kind, das einen gefärbten Stuhl haben sollte, hat stattdessen einen weißen wie Kreide (Calc. c.); bei Erwachsenen einen gallelosen, weißen Stuhl.
Der Körper riecht übel; übelriechender Schweiß; vergleiche Sepia, Merc., Aloe, Sulph., Murex, Nux.