Hepar sulfuris calcareum
By James Tyler Kent — Vorlesungen über homöopathische Arzneimittellehre
Hepar-Sulphur-Kälte: Der Hepar-Patient ist fröstelig. Er ist kälteempfindlich und verlangt in kalter Luft ungewöhnlich viel Kleidung. Er will das Schlafzimmer sehr warm haben und kann viel Wärme im Zimmer ertragen, um viele Grade wärmer, als ein Gesunder gewöhnlich wünscht. Er hat keine Widerstandskraft gegen Kälte, und alle seine Beschwerden werden durch Kälte verschlimmert. Wenn ihm im Schlaf kalt wird, treten seine Beschwerden auf, oder wenn er sich in kaltem, trockenem Wind aufhält, treten Beschwerden auf; entzündliche und rheumatische Beschwerden erscheinen.
Das Entblößen einer Hand oder eines Fußes nachts im Bett ruft Symptome hervor. Er will die Bettdecken im Bett dicht an den Hals herangezogen haben. Dieser Patient ist auch überempfindlich gegen Eindrücke, gegen die Umgebung und gegen Schmerz. Was bei einem gewöhnlichen Menschen nur ein Schmerz oder eine unangenehme Empfindung wäre, wird bei Hepar zu einem intensiven Leiden.
Schmerzen: Aber die Schmerzen von Hepar können sehr stark, sehr stechend sein. Entzündete Stellen, Ausschläge, Furunkel oder Eiterungen sind voll stechender Schmerzen. Das ist so intensiv, daß es mitunter als Stechen und Bohren beschrieben wird, wie mit spitzen Stöcken.
Die Schmerzen in Geschwüren werden oft wie Stöcke empfunden; intensiv und stechend, als ob Stöcke in das Geschwür hineinstießen. Diese Empfindung wird oft von dem Patienten ausgedrückt, der an Halsentzündung leidet. Es fühlt sich an, als habe er eine Fischgräte oder einen Stock verschluckt. Das stimmt mit dem allgemeinen Charakter überein, denn es ist überall vorhanden, bei Entzündungen, Geschwüren, Pusteln, Furunkeln und Ausschlägen; alles scheint Stöcke in sich zu haben oder von etwas Spießendem durchbohrt zu werden.
Ausschläge sind berührungsempfindlich. Dies entspricht der überall vorhandenen Überempfindlichkeit der Nerven. Der Hepar-Patient fällt vor Schmerz in Ohnmacht, selbst schon bei geringem Schmerz.
Gemüt
Dieses Mittel gehört zu den Patienten, die man zart nennt, die gegen Eindrücke überempfindlich sind. Das Gemüt nimmt an dieser Überempfindlichkeit teil und äußert sich durch einen Zustand äußerster Reizbarkeit.
Jede Kleinigkeit, die den Patienten stört, macht ihn außerordentlich zornig, schimpfend und impulsiv. Die Impulse überwältigen ihn und machen, daß er im Augenblick seinen besten Freund töten möchte. Auch ursachenlose Impulse treten bei Hepar zuweilen zutage.
Ein Mann kann einen plötzlichen Impuls haben, seinen Freund zu erstechen. Ein Barbier hat den Impuls, seinem Kunden im Stuhl die Kehle durchzuschneiden. Mütter können den Impuls haben, das Kind ins Feuer zu werfen, oder den Impuls, sich selbst anzuzünden; einen Impuls zu Gewalttätigkeit und Zerstörung. Diese Symptome steigern sich bis zum Wahnsinn, und dann werden die Impulse oft ausgeführt. Es wird zu einer Manie, Dinge anzuzünden.
Der Patient ist streitsüchtig, schwer mit ihm auszukommen; nichts gefällt ihm; jeder stört ihn; Überempfindlichkeit gegen Personen, gegen Menschen und gegen Orte.
Er verlangt einen ständigen Wechsel von Personen, Dingen und Umgebung, und jede neue Umgebung oder Person oder Sache mißfällt ihm wiederum und macht ihn gereizt. Mit dieser Reizbarkeit des Temperaments und körperlichen Reizbarkeit besteht eine Neigung zur Eiterung in einzelnen Teilen. Lokalisierte Entzündungen neigen zur Eiterung, besonders in Drüsen und im Zellgewebe finden wir Eiterungen und Geschwüre.
Die Drüsen des Halses, der Axilla und der Leiste sowie die Milchdrüsen schwellen an, werden hart und eitern. Zuerst die harten Schwellungen mit dem Gefühl, als ob Stöcke in ihnen herumstießen; dann entzündet sich die Stelle stark und wird rot, schließlich eitert sie, entleert sich und heilt langsam.
Sogar der Knochen eitert und geht in Nekrose und Karies über. Panaritien um die Nagelwurzel und an den Fingerenden. Der Nagel eitert, lockert sich und fällt ab. Gefühl von Splittern unter den Nägeln, selbst wenn sie nicht eitern.
Die Nägel werden hart und brüchig. Warzen springen auf und bluten, stechen und brennen und eitern. Hepar ist besonders nützlich bei Panaritien bei einer solchen Konstitution, wie beschrieben, doch bisweilen hat man nichts weiter als die Tatsache, daß der Patient ein hagerer, frösteliger Patient ist, der sich immer erkältet und zu Panaritien neigt. Ich habe Hepar oft auf keine bessere Information hin geben müssen und habe erlebt, daß es die Neigung zu Panaritien zum Stillstand brachte. Es konkurriert auch mit Silica.
Der Patient ist oft hager und hat eine Neigung zur Vergrößerung der Drüsen. Die Lymphdrüsen sind im allgemeinen hart und vergrößert. Sie sind chronisch vergrößert, ohne zu eitern, und bei jeder aufkommenden Erkältung kann irgendeine einzelne Drüse eitern.
Der katarrhalische Zustand ist allgemein.
Keine Schleimhaut bleibt verschont, doch finden wir besonders Katarrh der Nase, der Ohren, des Halses, des Kehlkopfs und der Brust. Der Hepar-Patient ist zu Schnupfen geneigt. In manchen Fällen setzen sich die Erkältungen in der Nase fest, und dann besteht viel Ausfluß mit Niesen jedesmal, wenn er in kalten Wind kommt.
Kalte Winde rufen Niesen und Fließen aus der Nase hervor, zunächst von wäßrigem Charakter und schließlich endend in einem dicken, gelben, übelriechenden Ausfluß.
Absonderungen: Diese übelriechenden Absonderungen riechen wie zersetzter Käse, und dieses Kennzeichen zieht sich durch das ganze Mittel.
Die Absonderungen aus allen Teilen des Körpers riechen wie alter Käse. Die Absonderungen aus Geschwüren sind übelriechend und haben einen zersetzten, käsigen Geruch. Es hat auch Absonderungen, die sauer riechen, und auch dies ist ein Allgemeines, weil es alles modifiziert, was sauer sein kann.
Die Säuglinge riechen trotz häufigen Waschens immer sauer. Oder es kann von den Familienangehörigen bemerkt werden, daß eines der Familienmitglieder immer sauer riecht, einen sauren Schweiß hat. Die Absonderungen aus Geschwüren sind sauer, ebenso die Absonderungen von Schleimhäuten. Der Ausfluß aus der Nase wird reichlich und verursacht fleckenweise Ulzerationen.
Hals und Husten: Der Hals hat einen katarrhalischen Zustand; der ganze Rachen befindet sich in einem katarrhalischen Zustand mit reichlichem Ausfluß. Der Hals ist äußerst berührungsempfindlich; Schmerz als wäre er voller Splitter; Schmerz beim Schlucken. Auch der Kehlkopf ist beim Sprechen schmerzhaft; schmerzhaft, wenn ein Bissen hinter dem Kehlkopf hinabgeht, und schmerzhaft bei Berührung mit der Hand.
Es besteht Stimmverlust und bei Erwachsenen ein trockenes, heiseres Bellen, besonders morgens und abends. Jedesmal, wenn er in trockenen, kalten Wind hinausgeht, wird er heiser, verliert die Stimme und hustet. Es ist ein trockener, heiserer, bellender Husten. Das Einatmen kalter Luft verstärkt den Husten, und das Herausstrecken der Hand aus dem Bett verstärkt den Schmerz im Kehlkopf oder den Husten.
Das Herausstrecken der Hand oder des Fußes aus dem Bett bringt eine allgemeine Verschlimmerung aller Beschwerden von Hepar. Wenn im Schlaf versehentlich die Hand aus dem Bett kommt, ruft das Husten hervor und verursacht Niesen. Der Kehlkopf hat seinen katarrhalischen Zustand, und bei überempfindlichen Kindern wird dieser katarrhalische Zustand zu Krupp.
Empfindliche Kinder, die tagsüber kaltem, trockenem Wind oder kalter Luft ausgesetzt sind, bekommen am nächsten Morgen einen heftigen Kruppanfall. Der Hepar-Krupp ist morgens und abends schlimmer; abends bis Mitternacht. Manchmal gehen Fälle, die anfangs nach Aconite verlangen, in Hepar über.
Der Acon.-Krupp kommt mit großer Heftigkeit auf, schlimmer am Abend vor Mitternacht. Das Kind wacht aus dem ersten Schlaf mit heiserem, bellendem Krupp auf. Eine Dosis Aconit kann sich als völlig ausreichend erweisen; oder sie kann nur palliativ wirken.
Das Kind schläft wieder ein, und gegen Morgen, oder doch irgendwann nach Mitternacht, kommt ein anderer Anfall, was zeigt, daß Acon. nicht ausreichte. Ein solcher Fall wird von Hepar beherrscht werden.
Wenn der Krupp nach Mitternacht kommt und das Kind erschrocken, erstickend aufwacht, sich im Bett aufrichtet mit trockenem, heiserem und klingendem Husten, der wie ein trockener Keuchlaut klingt, dann wird Spongia fast immer das Mittel sein; und wiederum, wenn Spongia nur palliativ wirkt und nicht tief genug reicht und eine morgendliche Verschlimmerung zeigt, daß das Leiden zurückkehrt, folgt Hepar. Acon., Hepar und Spongia sind einander eng verwandt, und sie sind wahrhaft große Kruppmittel.
Trockener, anfallsweiser Husten vom Abend bis Mitternacht und manchmal die ganze Nacht anhaltend, mit Erstickungsgefühl, Würgen und Kruppzustand; tagsüber etwas lockerer Husten; Wundheit und Schaben im Kehlkopf; schlimmer in kalter Luft oder beim Entblößen von Hand oder Fuß im Bett.
Der katarrhalische Zustand sitzt manchmal tiefer unten in der Luftröhre, und die Luftröhre wird durch vieles Husten äußerst wund. Der Patient hustet seit Tagen und Wochen und hat die morgendlichen und abendlichen Verschlimmerungen; einen rasselnden, bellenden Husten mit großer Wundheit der Brust bei einem überempfindlichen und frösteligen Patienten.
Der Husten ist von Erstickungsgefühl und Würgen begleitet, sogar bis zum Erbrechen; er ist schlimmer in kalter Luft und durch das Herausstrecken der Hand aus dem Bett. Er hustet und schwitzt. Es besteht die ganze Nacht hindurch viel Schweiß, ohne Erleichterung. Nächtliches Schwitzen ohne Erleichterung gehört zu sehr vielen Beschwerden von Hepar. Er schwitzt leicht, so daß er beim Husten und schon bei der geringsten Anstrengung geradezu von Schweiß durchnäßt ist.
Ohren
Es hat katarrhalische Affektionen des Ohres.
Eine plötzliche Entzündung tritt im Mittelohr auf, ein Abszeß bildet sich, das Trommelfell des Ohres rupturiert, und es gibt einen blutigen Ausfluß und stechende, reißende Schmerzen im entzündeten Ohr. Zuerst besteht ein Gefühl des Verstopftseins des Ohres, dann Bersten und Druck im Ohr und dann die Perforation des Trommelfells.
Es gibt auch einen entzündlichen Zustand, der einen Ausfluß verursacht, der foetid ist, oder einen blutig-gelben, eitrigen Ausfluß, dick, mit käsigen Teilchen und nach altem Käse riechend.
Augen
Hepar ist für den Okulisten mitunter unerquicklich.
Wenn es angezeigt ist, heilt es Augen sehr schnell, so daß der Okulist keinen sehr langwierigen Fall hat, und es macht in der Hand des Spezialisten Waschungen überflüssig. Von den Augen her haben wir denselben übelriechenden dicken, eitrigen Ausfluß. Entzündung der Augen, begleitet von kleinen Geschwüren.
Geschwüre der Hornhaut, Granulationen, blutiger, übelriechender Ausfluß aus den Augen. Die Augen sehen rot aus, die Augenlider sind entzündet, die Ränder sind nach außen gekehrt, und der Lidrand wird geschwürig. Bei allen Arten sogenannter skrofulöser Affektionen können die Augenzustände von Hepar gedeckt werden, wenn der konstitutionelle Zustand vorhanden ist.
Der konstitutionelle Zustand des Patienten ist der einzige Führer zum Mittel. Oft sind die Augensymptome uncharakteristisch. Sie haben nur ein entzündetes Auge mit katarrhalischem Ausfluß, und dafür könnten Sie eine große Zahl von Antipsorika geben; wenn Sie aber in den Zustand des Patienten hineingehen und diese Allgemeinsymptome finden, dann wird dieses Mittel heilen.
Die Allgemeinsymptome werden zu dem Mittel führen, das die Augen heilt. Sie werden sehen, daß der Spezialist für die Augen oft begrenzt ist, wenn er nicht versteht, alle Symptome des Patienten zu erfassen und das Mittel nach der Totalität der Symptome zu wählen.
Harnblase: Es gibt noch andere katarrhalische Zustände. Katarrh der Harnblase mit eitrigen Abgängen im Harn und reichlichen schleimig-eitrigen Sedimenten. Geschwüre der Harnblase. Die Wände der Harnblase verhärten sich, so daß sie fast keine Kraft mehr hat, ihren Inhalt auszutreiben, und der Harn geht in langsamem Strahl oder tropfenweise ab, oder beim Mann fällt der Strahl senkrecht nach unten. Keine Fähigkeit, den Harn mit Kraft auszutreiben. Es ist eine Parese. Es besteht Brennen in der Harnblase und häufiger, fast ständiger Harndrang. Es hat auch einen katarrhalischen Zustand der Harnröhre, der einer Gonorrhö gleicht, und es ist bei frösteligen Patienten mit lange bestehendem chronischem Harnröhrenausfluß ein sehr nützliches Mittel gewesen. Dicker Ausfluß von weißem, käsigem Charakter. Geschwüre und kleine entzündliche Stellen entlang der Harnröhre.
Es besteht hier und da entlang der Harnröhre ein stechendes Gefühl, und beim Harnlassen das Gefühl eines Splitters in der Harnröhre. Reichliche Leukorrhö mit demselben übelriechenden, käsigen Geruch.
Leukorrhö: Die Leukorrhö ist so reichlich, daß sie genötigt ist, eine Vorlage zu tragen, und die Vorlagen, wie mir von Frauen gesagt wurde, die durch Hepar geheilt worden sind, sind so unerquicklich, daß sie sofort weggenommen und gewaschen werden müssen, weil der Geruch die Zimmer durchdringt.
Dieser schrecklich üble, so durchdringende Geruch wird oft durch Kali phos geheilt. Es hat tatsächlich einen der durchdringendsten Gerüche, so sehr, daß, wenn eine Frau an dieser Leukorrhö leidet, der Geruch bemerkt werden kann, sobald sie das Zimmer betritt.
Ein sehr wichtiges Gebiet für Hepar ist der Zustand nach Mercurialisierung. Viele alte Leute gehen heutzutage auf der Straße, die Opfer von Calomel gewesen sind, die speichelflüssig gemacht wurden, die die blaue Pille gegen rezidivierende gallige Anfälle genommen haben, um "die Leber anzuregen", bis sie schließlich in einen Zustand von Frösteln geraten, das gleichsam bis in die Knochen empfunden wird.
Sie schwitzen viel am Kopf, sie haben Knochenschmerzen, und jede Wetteränderung zu Kälte und jede kalte, feuchte Witterung beeinflußt sie. Sie sind wie Barometer. Hepar ist das Mittel für diesen Zustand.
Sie entwickeln leicht Knochenerkrankungen und frieren immer. Während sie zeitweilig Verschlimmerung durch Wärme haben, sind sie im allgemeinen fröstelige Subjekte und empfinden die Kälte leicht. Bei den akuteren Affektionen von Mercury besteht eine Verschlimmerung durch die Wärme des Bettes, aber die alten Subjekte, die vor Jahren durch dasselbe vergiftet wurden, werden fast blutleer, und sie werden fröstelig; sie können nicht genug Kleidung bekommen, um sich warmzuhalten.
Sie werden welk und eingeschrumpft und haben rheumatische Affektionen um die Gelenke. Dann stimmen die Symptome von Hepar überein, und es wird ein wertvolles Gegenmittel gegen diesen Zustand der Mercurialisierung.
Hepar ist auch ein Komplementär- und Gegenmittel zu potenziertem Mercury. Wenn Merc. gegeben worden ist und alles getan hat, was es als Heilmittel tun kann, oder wenn es unrichtig gewirkt und den Fall etwas verwirrt hat und es notwendig ist, ihm mit dem natürlichen Komplement oder Gegenmittel zu folgen und für eine andere Serie vorzubereiten, so ist Hepar als einer der natürlichen Nachfolger von Merc. zu bedenken. Es ist wohlbekannt, daß Merc. nicht gut von Silica gefolgt wird. Sil. leistet keine nützliche Arbeit, wenn Merc. noch wirkt oder gewirkt hat.
Dann ist die Zeit, in der Hepar ein Zwischenmittel wird. Sil. folgt gut nach Hepar, und Hepar folgt gut nach Merc., und so wird es in dieser Serie zu einem Zwischenmittel.
In alten syphilitischen Fällen ist Hepar, wenn die Symptome übereinstimmen, ein sehr volles und vollständiges Mittel. Es entspricht der Mehrzahl der Symptome der Syphilis, und es braucht, um angezeigt zu sein, nur den Symptomen des individuellen Patienten zu entsprechen, wenn dieser syphilitisch ist. So wird in alten Fällen, die mercurialisiert worden sind, bei denen die Symptome unterdrückt worden sind, so daß die Krankheit latent ist und jederzeit hervorzubrechen bereit steht, Hepar eingreifen und einen entschiedenen Einfluß auf die Syphilis und auf das Quecksilber haben.
Es wird die Dinge ordnen und eine Entwicklung hervorrufen, die zu einer klaren Verordnung führt. In dieser Beziehung zu Syphilis und Quecksilber ist Hepar eng verwandt mit Staph., Asa f., Nit. acid, Sil., etc.
Insbesondere ist Hepar das Mittel in den Fällen von Syphilis, in denen große Mengen Quecksilber genommen worden sind, bis dieses die Symptome der Krankheit nicht länger unterdrücken kann; in alten Fällen, wenn das syphilitische Miasma die Knochen der Nase angreift und diese einsinken oder eine große Ulzeration stattfindet; solche Fälle sieht man manchmal auf der Straße umhergehen, mit einem großen Pflaster über der Nase oder über der Öffnung, die in die Nasenhöhle hinabführt.
Nase
Wenn starker Schmerz in der Gegend der Nasenknochen besteht, ist der Nasenrücken so empfindlich, daß er nicht berührt werden kann, und in der Nasenwurzel ist ein Gefühl, als ob ein Splitter darin steckte. Bei übelriechendem Nasenausfluß, foetider Ozaena in einem alten, mercurialisierten Fall, dem bis in die Knochen fröstelt, denke man an Hepar. Es hat viele solche Fälle geheilt; es hat die Geschwüre verheilt; es hat den katarrhalischen Zustand geheilt, und es hat die Heilung der kranken Knochenanteile beschleunigt, indem es die Eiterung beschleunigte, und hat den Patienten in einen geordneten Zustand zurückgebracht.
Hals
Wenn wir in die syphilitischen Affektionen hineingehen, die in den Hals führen, finden wir Geschwüre des weichen Gaumens, die das Zäpfchen wegfressen, kleine Geschwüre, die sich schließlich vereinigen und den weichen Gaumen zerstören und dann beginnen, den knöchernen Teil des Gaumendaches anzugreifen.
Der Geruch, der aus diesem Mund kommt, wenn er geöffnet wird, um den Hals zu zeigen, ist äußerst unerquicklich; sehr oft wie verdorbener Käse. Die Mittel, die besonders verwandt oder in dieser Form der Ulzeration bei alten Syphilitikern besonders nützlich sind, werden Kali bi., Lach., Merc. cor., Merc. und Hepar sein; aber in den syphilitischen Fällen, die mercurialisiert worden sind, sollte man an Hepar und Nitric acid denken.
Nitric acid ist Hepar sehr eng verwandt; es ist ebenso fröstelig; es hat das Gefühl von Stöcken im Hals und in entzündeten Teilen. Es hat feine Geschwüre im Hals, auf den Tonsillen und im Kehlkopf. Nitric acid konkurriert mit Hepar.
Man denkt an die beiden zusammen. Beide haben das Gefühl einer Fischgräte oder eines Stockes im Hals.
Die Knorpel des Kehlkopfs werden bei syphilitischen Affektionen und alten mercurialen Affektionen angegriffen. Wenn der Fall nicht syphilitischen, sondern siktischen Ursprungs ist, bilden sich kleine oder große weiße gallertige Polypen im Kehlkopf, und sie sind wund und verursachen Stimmverlust oder gesprungene Stimme; wenn sie Würgen oder Unruhe verursachen, ist Hepar eines der Mittel. Hepar, Calc., Arg. nit und Nit. ac. und manchmal Thuja sind die mit solchen Zuständen verwandten Mittel.
Genitalien: Wiederum hat in den früheren syphilitischen Manifestationen der Schanker das Gefühl eines Stockes in sich; dann kommt die Bildung eines Bubos, der entweder nicht eiternd oder eine eiternde Drüse sein kann, verbunden mit einem Schanker oder einem harmlosen Geschwür am Penis. Diese Zustände sind oft Indikationen für Hepar, wenn der konstitutionelle Zustand vorhanden ist.
Hepar hat auch siktische Warzen. Es ist nützlich in alten Fällen von chronischem Harnröhrenausfluß; auch wenn das Gefühl eines Splitters in der Harnröhre vorhanden ist. Bei Strikturen und Verengungen entzündlichen Charakters besteht während der Entzündung eine Neigung zur Geschwürbildung, und damit wird das Gefühl eines Stockes empfunden.
Arg. nit., Nit. ac. und Hepar liegen bei dieser Art von Entzündung dicht beieinander und werden die entzündliche Striktur heilen, bevor sie zu einer vollständigen und dauerhaften fibrinösen Striktur wird.
Es ist nur sehr selten, daß Sie mit Ihren Mitteln eine Striktur heilen können, nachdem sie Dauercharakter angenommen hat, nachdem sie viele Jahre alt ist; aber solange die Entzündung anhält, gibt es Hoffnung.
Ich erinnere mich an eine sehr alte, die durch Sepia geheilt wurde. Zunächst wußte ich nichts von ihrem Vorhandensein, sondern verordnete Sepia nach den Symptomen des Falles, und der Patient kam mit großem Leiden in der Harnröhre zurück und gestand mir dann, daß er Gonorrhö gehabt habe und jahrelang von einer Striktur geplagt worden sei. Diese Entzündung wurde von neuem hervorgerufen, und nachdem sie ihren Verlauf genommen hatte, ließ sie den Gang tatsächlich frei zurück, und es gab nie wieder Beschwerden durch die Striktur.
Das war ein sehr ungewöhnliches Ergebnis. Ich habe viele Male für Patienten mit äußersten Bemühungen verordnet, dasselbe zu tun, und habe den Patienten in anderer Hinsicht geheilt, aber die Striktur blieb bestehen. Merken Sie sich also, daß Hepar Feigwarzen hat, chronische siktische Absonderungen oder chronische Gonorrhö, übelriechende, käsige Absonderungen, das Gefühl von Stöcken in der Harnröhre, entzündliche Striktur, die mit Schwierigkeiten beim Harnlassen verbunden sein wird, bis zu dem Grade, daß eine Schwäche der Harnblase besteht und der Harn senkrecht herabfällt.
Eiterung: Hepar hat einen wertvollen Zweck erfüllt durch seine Fähigkeit, Eiterung um Fremdkörper herzustellen. Zum Beispiel befindet sich ein Fremdkörper unter der Haut oder irgendwo an unbekannter Stelle. Vielleicht ist es das Spitzenende eines Projektils, nachdem das Projektil selbst entfernt worden ist, oder unter dem Nagel bildet ein Splitter eine Eiterung. Er ist so klein, daß er kaum bemerkt wird, und man nimmt oft an, der Splitter sei vollständig entfernt worden, aber ein entzündlicher Zustand beginnt.
Hepar, wenn durch die Allgemeinsymptome des Patienten angezeigt, beschleunigt die Eiterung und heilt den Finger, denn es hat alle derartigen Dinge. Silica ist ein anderes Mittel, das Entzündung und Eiterung herstellen kann und kleine Fremdkörper entfernt, die nicht lokalisiert werden können.
Selbstverständlich versteht es sich, daß der Arzt, wenn er die Lage eines Splitters kennt, die nötigen Schritte unternimmt, um ihn zu entfernen, und nicht auf die Wirkung eines Mittels wartet. Aber bisweilen bricht eine Nadelspitze an dem Knochen des Fingers einer Näherin ab, oder kleine Teile der Nadel können dort vorhanden sein, wo sie ohne eine ungeheure Zerschneidung, die der Patient verweigert, nicht gefunden werden können. Hepar oder Silica werden sie entfernen. Ein kleiner Abszeß bildet sich, und das kleine Ding wird ausgestoßen.
Wenn man weiß, daß diese beiden Mittel diese Tendenz haben, überall dort Eiterung herzustellen, wo Fremdkörper vorhanden sind, so sollte man daran erinnert werden, daß, wenn eine Kugel in der Lunge eingekapselt wäre, es gut wäre, falls die Symptome nach Hepar oder Silica verlangen, zu erwägen, ob es nicht schädlich sein könnte, ein Mittel zu geben, das eine Eiterung herstellt. Es könnte sein, daß die Kugel an einer lebenswichtigen Stelle, in einem Netzwerk von Arterien, ruht, und es wäre gut, in dieser lebenswichtigen Region keine Eiterung herzustellen.
Ablagerungen tuberkulösen Charakters sitzen oft an einer Stelle, aus der sie leicht herausgeeitert werden können, und die Wirkung des Mittels auf sie wäre dieselbe wie auf einen Fremdkörper. Daher kommt es, daß Hepar nach seiner Gabe sehr oft eine Ernte von Furunkeln über den ganzen Organismus hinweg beseitigen wird, weil sich in der Haut kleine Ansammlungen von Talgmasse befinden und diese herausgeeitert werden.
Sulphur tut dies ebenfalls, so daß es gut sein kann, vorsichtig zu sein und Silica oder Sulphur oder Hepar bei Patienten, die eingekapselte Tuberkel in den Lungen haben, nicht zu oft und nicht in zu hoher Potenz zu geben. Rokitansky fand bei seinen zahlreichen Sektionen eine große Zahl eingekapselter käsiger Ablagerungen in den Lungen, in Fällen, die gelebt und diese Beschwerden überwunden hatten; sie waren eingekapselt und daher vollkommen sicher geworden, und der Patient war an etwas anderem gestorben.
Es könnte gefährlich sein, diese Mittel zu verabreichen, die eine Tendenz haben, Eiterung zu verursachen, und Sie sollten bei ihrer Anwendung wenigstens vorsichtig vorgehen. Nachdem Sie sehr viele Fälle gesehen haben, werden Sie feststellen, daß Sie einige davon getötet haben. Wenn unsere Mittel nicht stark genug wären, Menschen zu töten, wären sie nicht stark genug, kranke Menschen zu heilen. Es ist gut, wenn Sie sich klar machen, daß Sie mit Rasiermessern zu tun haben, wenn Sie mit hohen Potenzen umgehen.
Ich wäre lieber in einem Zimmer mit einem Dutzend Schwarzen, die mit Rasiermessern um sich schlagen, als in den Händen eines unwissenden Verordners hoher Potenzen. Sie sind Mittel von ungeheurem Schaden ebenso wie von ungeheurem Nutzen.
Im Gegensatz zu Hepar (obwohl Hepar eine Form von Calcarea ist) hat Calc. carb. nichts von einer solchen zerstörenden Natur in sich. Es stellt keine Entzündung um Fremdkörper her und neigt nicht dazu, sie herauszueitern, sondern verursacht eine fibröse Ablagerung um Kugeln und andere fremde Substanzen im Fleisch. Es bewirkt, daß tuberkulöse Ablagerungen verhärten, sich zusammenziehen und eingekapselt werden.
Viele ausgezeichnete homöopathische Ärzte haben zu mir gesagt,
"Ich stimme Ihnen hinsichtlich der Gefahr von Sulphur in phthisischen Fällen nicht zu. Ich habe Fälle von Phthisis mit Sulphur geheilt."
So habe ich viele von ihnen geheilt. Aber ich bezog mich nicht auf heilbare Fälle, sondern auf solche Fälle, die weit entwickelt sind und schwere Symptome zeigen. Es ist gut, alle Elemente des Falles zu kennen; denn wenn Sie ein Mittel gegeben und Ihren Patienten getötet haben, wissen Sie wenigstens, was Sie getan haben.
Es ist besser zu wissen, was Sie getan haben, wenn Sie Ihren Patienten getötet haben, als darüber im Unklaren zu bleiben und auf dieselbe Weise noch mehr zu töten.