Cocculus indicus
By James Tyler Kent — Vorlesungen über homöopathische Arzneimittellehre
Wir wollen wie gewöhnlich das Allgemeinsystem und den Geist studieren. Cocculus verlangsamt alle Tätigkeiten von Körper und Geist und erzeugt eine Art lähmungsartiger Schwäche. In all seinem Tun ist der Kranke wie hinter der Zeit zurück.
Langsam: Alle nervösen Eindrücke erreichen die Zentren nur langsam. Kneift man diesen Patienten in den großen Zeh, braucht er erst eine Minute und sagt dann „oh“, statt sofort zu reagieren. Auf Fragen antwortet er langsam, nach scheinbarem Nachdenken, aber schon das Nachdenken ist eine Anstrengung.
Und so verhält es sich mit allen nervösen Äußerungen, dem Denken, der muskulären Tätigkeit usw. Er kann keine muskuläre Anstrengung ertragen, weil er schwach ist; er ist müde. Zuerst kommt diese Langsamkeit, dann eine Art sichtbarer lähmungsartiger Zustand und dann vollständige Lähmung. Diese kann örtlich oder allgemein sein. Es gibt bestimmte Ursachen, die diese Wirkungen hervorbringen. Eine Ehefrau, die ihren Mann pflegt, eine Tochter, die ihren Vater pflegt, wird durch Angst, Sorge und Schlafverlust aufgerieben.
Sie ist erschöpft; unfähig, irgendeine geistige oder körperliche Anstrengung auszuhalten; schwach in den Knien, schwach im Rücken, und wenn die Zeit zum Schlafen kommt, kann sie nicht schlafen. Ein auf diese Weise hervorgerufener Krankheitszustand ist dem durch das Cocculus-Gift verursachten analog, und daher ist Cocculus seit der Zeit Hahnemanns bis heute ein Mittel gegen Beschwerden infolge des Pflegens, nicht gerade gegen Beschwerden, wie sie bei der Berufspflegerin auftreten, denn Cocculus braucht die Verbindung von Verdruss, Angst und anhaltendem Schlafverlust, wie man sie bei der Mutter oder Tochter findet, die pflegt, oder auch bei der Pflegerin, wenn sie die Angst eines Familienangehörigen mit übernimmt; eine Ehefrau, die ihren Mann durch einen Abdominaltyphus oder eine andere lange Krankheitsperiode hindurch pflegt.
Am Ende davon ist sie an Körper und Geist zerschlagen; sie kann nicht schlafen, sie hat kongestive Kopfschmerzen, Übelkeit, Erbrechen und Schwindel. Daran sieht man, wie ein Cocculus-Fall beginnt. Wer auf diese Weise an Körper und Geist erschöpft ist, fährt einmal aus. Sie bekommt Migräne, Rückenschmerz, Schwindel, Übelkeit und Erbrechen. Sie steigt in den Wagen, um eine Reise zu machen. Migräne kommt auf. Sie fährt ein oder zwei Meilen weiter und bekommt Übelkeit, Erbrechen und Migräne. Sie fühlt sich überall schwach, als ob sie hinsinken würde.
Der Cocculus-Patient steigt in einen Wagen, um zu fahren, und es kommen Migräne, Übelkeit und Schwindel auf. Der Cocculus-Patient kann Bewegung nicht ertragen. Verschlimmert durch Sprechen, durch Bewegung, durch die Bewegung der Augen, durch Fahren. Er braucht viel Zeit, um den Kopf vorsichtig zu drehen und Dinge anzusehen. Er braucht viel Zeit zum Bewegen, zum Denken, zu allem. Der ganze Organismus ist verlangsamt, untätig.
Zittrig, müde, erregbar. Die Hände zittern, wenn er nach etwas greift, oder er greift ungeschickt zu und läßt es fallen. Koordinationsstörung durchzieht dieses Mittel, und deshalb ist es mit gutem Erfolg bei der tabischen Ataxie angewandt worden. Es hat Taumeln und Taubheitsgefühl. Taubheitsgefühl ist bei diesem Mittel ein ganz hervorstechendes Merkmal. Taubheitsgefühl der unteren Extremitäten, in den Fingern, in der Schulter, an der Seite des Gesichts. Beschwerden infolge von Angst.
Geist
Äußerste Reizbarkeit des Nervensystems. Das geringste Geräusch oder die geringste Erschütterung ist unerträglich. Sie haben gehört, daß Bell . durch Erschütterung schlimmer ist. So ist es auch bei Cocculus, und ganz ähnlich wie bei Bell . Cocculus gleicht Belladonna auch in seiner Schlaflosigkeit und anderen Allgemeinzuständen.
Dieses Gefühl von Seekrankheit und Schwindel wird manchmal im ganzen Körper empfunden; eine Art Ohnmachtsgefühl, dem zuweilen Bewusstseinsverlust oder eine lähmungsartige Starre folgt.
Gelenke: Steifigkeit der Gelenke ist ein häufiges Merkmal von Cocculus. Sie gehört zu den Extremitäten im allgemeinen. Aber es ist ein so starkes Symptom, daß ich es hier erwähnen will. Gerade ausgestreckte und eine Zeitlang so gehaltene Glieder schmerzen beim Beugen. Personen, die unter Angst gelitten haben und völlig erschöpft sind, liegen auf dem Rücken, strecken die Extremitäten aus und können nur mit großer Schwierigkeit aufstehen.
Der Arzt kommt und entdeckt, was los ist. Er beugt die Extremitäten, und sie schreit auf, aber nach dem Beugen ist sie erleichtert, und dann kann sie aufstehen und sich bewegen.
Das findet man sonst nirgends. Es besteht ganz ohne Entzündung. Es ist eine Art lähmungsartiger Steifigkeit, eine Lähmung des ermüdeten Körpers und Geistes. Die Cocculus-Kopfschmerzen und Rückenschmerzen, Schmerzen und Beschwerden sind vorhanden.
Ein Mann streckt sein Bein auf einen Stuhl aus, und er kann es nicht beugen, bis er mit den Händen hinabreicht, um nachzuhelfen. Solche Dinge sind sonderbar. Ohnmachtsgefühl bei Bewegung des Körpers, Ohnmacht durch Schmerz im Darm, durch Kolik. Bei all dieser Verlangsamung von Denken und Tätigkeit bleibt der Patient doch äußerst leidensempfindlich, schmerzempfindlich.
Krämpfe durch den ganzen Körper wie elektrische Schläge, Konvulsionen nach Schlafverlust. Dieser Patient macht mit Nervosität und Erregung, Angst und Schlafverlust weiter, bis sich Konvulsionen einstellen. Tetanus. Cholera, Anfälle lähmungsartiger Schwäche mit Schmerz, Lähmung des Gesichts, der Augen, Lähmung der Muskeln überall, Lähmung der Extremitäten. Selbst Diphtherie hat bekanntermaßen einen Zustand hervorgebracht, der dem von mir als Folge von Schlafverlust und Angst beschriebenen sehr ähnlich ist.
Ich erinnere mich an einen Fall von Lähmung der unteren Extremitäten, der vor vielen Jahren von einem sehr sorgfältigen homöopathischen Arzt verordnet wurde. Es war eines der Dinge, die mich in den frühen Tagen meines Verordnens und Beobachtens überraschten.
Es war der Fall eines kleinen Mädchens mit Lähmung der unteren Extremitäten nach Diphtherie, und man gab keine Hoffnung mehr. Aber Doktor Moore (er war damals ein Achtzigjähriger) sah sich den Fall an. Ich war mit der Familie und mit dem Arzt bekannt.
Er studierte den Fall sorgfältig und gab Cocculus c.m. Es dauerte nicht viele Tage, bis das Kind begann, die Beine zu bewegen, und der Zustand klärte sich vollständig auf, und ich habe nie aufgehört, mich darüber zu wundern. Es war eine gute Verordnung, vollkommen im Einklang mit allen Elementen des Falles.
Doktor Moore war einer der Schüler von Lippe und Hering.
Man kann kaum erkennen, was sich anbahnt, wenn die psychischen Tätigkeiten infolge von Angst und Schlafverlust, wie wir es beim Pflegen sehen, verlangsamt sind. Der Geist wirkt wie bei herannahender Blödsinnigkeit, und wenn man den echten Cocculus-Fall betrachtet, fragt man sich, ob dieser Patient nicht seit ein oder zwei Jahren wahnsinnig geworden ist, denn der Geist scheint fast leer. Er blickt ins Leere und wendet langsam die Augen dem Fragenden zu und antwortet mit Mühe. Das kommt bei nervöser Erschöpfung, bei Abdominaltyphus vor. Es ist Phos . Acid., so ähnlich, daß diese beiden Mittel sorgfältig individualisiert werden müssen. Die Zeit vergeht schnell.
Er kann nicht erfassen, daß eine ganze Nacht vergangen ist. Eine Woche ist vorübergegangen, und es scheint ihm nur ein Augenblick, so benommen ist er. Langsamkeit des Auffassens; er findet nicht das rechte Wort, um seine Gedanken auszudrücken, so langsam arbeitet sein Geist; was vergangen ist, kann er sich nicht merken; er vergißt, was er eben gelesen hat; kann nicht sprechen; kann das geringste Geräusch nicht ertragen; kann die geringste Anspannung nicht ertragen.
Die Zunge will nicht gehorchen. Es besteht Verwirrung des Geistes und Schwierigkeit der Artikulation. Eine Vorstellung kommt ihm in den Sinn und fixiert sich. Er kann sie nicht umwandeln oder fortbewegen, sondern sie bleibt einfach dort, und wenn er spricht, sagt er etwas, woran man erkennt, daß eben dieselbe Vorstellung ihn festhält. So erscheint er in einem Zustand von Blödsinnigkeit.
Schwindel
Psychische Störung mit Schwindel. Bei fast allen psychischen Symptomen ist Schwindel vorhanden. Er liegt in einem Zustand scheinbarer Bewußtlosigkeit, weiß jedoch alles, was vorgeht, und ist zuweilen sogar imstande, sich zu erinnern und zu beschreiben, was vorging, blinzelt aber nicht einmal; bewegt keinen Muskel.
Es besteht der Anschein von Ekstase, ein Lächeln liegt auf dem Gesicht. Er weiß, was vorgeht, und doch besteht vollständige Erschlaffung der Muskeln ohne Sprache oder scheinbare Wiedererkennung irgendeiner Person. Vollkommen erschlafft und doch im Wissen um das, was vorgeht. Das ähnelt einer Katatonie. Unfähig zu denken.
Furcht vor dem Tode. Er hat das Gefühl, als ob etwas Furchtbares geschehen werde. All dies ist die Folge von Kummer, Angst, Verdruss, anhaltendem Schlafverlust.
Der Schwindel ist optisch von Übelkeit begleitet. Ein Cocculus-Fall kann nicht aus dem Wagenfenster schauen, nicht vom Boot hinuntersehen und das sich bewegende Wasser ansehen, ohne sofort Übelkeit zu bekommen.
Vielleicht ahnen Sie jetzt schon, welche Kopfsymptome zu erwarten sind. Mit den Kopfschmerzen kommen Schwindel, äußerste Übelkeit und Magenbeschwerden.
Kopfschmerzen, hervorgerufen durch das Fahren im Wagen, durch das Fahren in der Eisenbahn oder auf dem Schiff; Kopfschmerz durch Bewegung. Die Augen können sich bewegten Gegenständen nicht anpassen; Schwindel, Drehen und Kopfschmerz.
Stauung zum Kopf hin, drückender, klopfender Kopfschmerz. Kopfschmerz, als ob der Schädel bersten würde, oder wie ein großes Ventil, das sich öffnet und schließt. Migräne mit Schwindel. Kopfschmerz wiederum durch Arbeit in der Sonne. Migräne durch Fahren in einer Kutsche.
Augen
Schwachsichtigkeit und Sehstörung. Lähmungsartige Schwäche der Augenmuskeln ebenso wie der Akkommodationsmuskeln. Das Gesicht wird bleich und kränklich. Bleich wie der Tod, mit Schmerzen im Gesicht, Schwindel und Übelkeit.
Reißende Schmerzen im Gesicht. Neuralgie des Gesichts.
Das Gesicht ist aufgedunsen. Beben und Zucken der Gesichtsmuskeln. Lähmung der Gesichtsmuskeln. Taubheitsgefühl im Gesicht. Zucken, ruckartige Zuckungen, Taubheitsgefühl, Lähmung, reißende Schmerzen.
Prostration und nervöse Erschöpfung begleiten die meisten Beschwerden von Cocculus.
Magensymptome. Widerwille gegen Nahrung. Metallischer Geschmack im Mund. Bitterer Geschmack im Mund. Saurer, übelkeitserregender Geschmack im Mund, und keine Nahrung lockt ihn an. Er liegt dort krank mit etwas Fieber oder einer „Erkältung“.
Kopfschmerz, Schwindel, Übelkeit, Widerwille gegen Nahrung. Wechselfieber mit Schmerzen in den Extremitäten, besonders in den Knien und in den Knochen der Beine, mit jener eigentümlichen Steifigkeit, Übelkeit und Widerwillen gegen Nahrung. Beim Wechselfieber oder vielleicht bei einem typhoiden Niedrigzustand finden wir diesen Widerwillen gegen Nahrung mit Übelkeit.
Man geht ans Krankenbett und fragt die Pflegerin,
„Womit haben Sie den Patienten gefüttert?“, und der Patient würgt. Schon der Gedanke an Nahrung bringt den Patienten zum Würgen.
Die Pflegerin wird sagen, daß der Patient jedesmal würgt, wenn sie Nahrung erwähnt. Schon der Gedanke an Nahrung oder der Geruch von Speisen im anderen Zimmer oder in der Küche macht den Patienten übel. Zwei Mittel haben dies: Cocculus und Colchicum.
Lähmung: lähmungsartige Zustände. Lähmung der Speiseröhre. Kann nicht schlucken.
„Lähmungsartiger Zustand des Halses nach Diphtherie.“
Halsschmerzen bei niedrigen Fieberformen. Das Fieber ist vorbei, aber der Patient kommt nicht wieder zu Kräften; es bestehen starkes nervöses Zittern, Taubheitsgefühl, Muskelzuckungen und große Schwäche. Empfindung, als ob ein Wurm im Magen kröche.
Krämpfe des Magens. Heftige Anfälle von Gastralgie, heftiger Krampf des Magens. Kneifender, zwickender, einschnürender Schmerz. Der Schmerz im Darm fühlt sich an, als ob die Därme zwischen scharfen Steinen eingeklemmt wären.
Das verursacht Ohnmacht und Erbrechen. Kolikartige Schmerzen im Darm, große Auftreibung des Bauches, wie man sie beim Abdominaltyphus findet; Spannung des Bauches nach dem Trinken; Flatulenzkolik.
Reißende, schneidende, krampfartige Schmerzen im Darm. Ausstrahlende Schmerzen im Darm, die Diarrhö begleiten. Ein lähmungsartiger Zustand des Mastdarms. Unfähigkeit, beim Stuhl zu pressen. Stuhldrang und Brennen im Mastdarm. Stuhldrang, aber die peristaltische Bewegung in den oberen Darmabschnitten fehlt.
Frauen: Reichlicher Menstrualfluß, Menstruation zu früh; dauert zu lange an. Die Katamenien zwei Wochen vor der Zeit. Bei Frauen, die durch Kummer, Angst und anhaltenden Schlafverlust erschöpft sind, kommt die Menstruation zu früh, ist reichlich und anhaltend.
Kopfschmerz, Schwindel, Übelkeit. Heftige, krampfartige Schmerzen im Darm, krampfhaft zusammenziehende Schmerzen in der Gebärmutter während der Menstruation. Wiederum wird eine genau solche, wie beschrieben, Patientin eine Unterdrückung des Menstrualflusses haben, oder wochen- und monatelang keinen Menstrualfluß; oder gerade zu der Zeit, da die Menstruationsperiode eintreten sollte, besteht eine reichliche Leukorrhoe an Stelle der Menses .
Die Frau ist abgemagert und wird immer kränklicher und chlorotischer. Das Gesicht hat einen grünlichen, gelben, fahlen Farbton.
„Leukorrhoe an Stelle der Menses“, oder
„reichliche Leukorrhoe zwischen den Menstruationsperioden.“
Das Herz ist schwach, der Puls schwach. Lähmungsartige Schwäche in den Extremitäten, Taubheitsgefühl, ruckartige Zuckungen der Muskeln, Muskelzucken, Beben, Verlust der Empfindung, Verlust der Kraft, muskuläre Schwäche in allen Extremitäten. Taubheitsgefühl und lähmungsartiges Gefühl in den Extremitäten.
Ungeschicklichkeit der Finger und Hände. Beim Versuch, die eine Hand mit der anderen zu umfassen, tritt wanderndes Taubheitsgefühl auf, oder ein beständigeres Taubheitsgefühl, verbunden mit lähmungsartiger Schwäche, zuweilen wechselnd; mitunter ist eine Seite taub, die andere gelähmt.
Die Fußsohlen schlafen ein. Taubheitsgefühl der Fußsohlen, wie wir es bei tabischer Ataxie haben; kalte Füße. Die Knie geben vor Schwäche nach. Er taumelt beim Gehen und droht zu einer Seite zu fallen. Knie steif. Lähmung der unteren Extremitäten, ausgehend vom Kreuz. Entstehend durch Erkältung, durch Mißbrauch von Mercury .
Lähmung der unteren Glieder mit Steifigkeit, Taubheitsgefühl und wie geprelltem Gefühl.
Schlaflosigkeit nach langem Pflegen und nach Nachtwachen; das ist ein Symptom, auf das ich Ihre Aufmerksamkeit so oft gelenkt habe. Ängstliche, furchtbare Träume; üble Folgen von Schlafverlust und Nachtwachen.
„Der geringste Schlafverlust bekommt ihm schlecht.“